Abschied

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Robert Eduard Prutz: Abschied (1844)

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Und muß es denn und muß es sein,
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und müssen wir uns trennen –
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Wohlan, so schenkt noch einmal ein
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und laßt noch einmal zu dem Wein
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die Herzen lodernd brennen!

6
Du gehst, o Freund, nicht tränenlos –
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O laß sie, laß sie rinnen!
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Denn ach, von deiner Mutter Schoß,
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du reißt vom Vaterland dich los,
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ein neues zu gewinnen!

11
Von fremder Küste, stolz und frei,
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die Wälder hörst du rauschen;
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willst gegen seidne Sklaverei,
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willst gegen bunte Liverei
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die nackte Freiheit tauschen.

16
Du bist es satt, ein Knecht zu sein
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und frei dich nur zu träumen,
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du bist es satt, mit Heuchelein,
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mit goldner Worte Flitterschein
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die Kette zu umsäumen.

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Du bist des eigenen Volkes satt,
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der schmachgewohnten Seelen:
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des Volkes, das, zum Handeln matt,
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Gelehrte und nur Dichter hat,
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und dem die Männer fehlen!

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Du wirst nicht glücklich werden, nein,
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auch nicht im freien Lande.
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Doch willst du lieber elend sein,
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im fremden Land, stumm und allein,
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als Knecht im Vaterlande.

31
O dürften wir in deinem Lauf,
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o dürften wir dich halten!
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Und dürften sagen: schau, hinauf!
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Da steigt die Sonne schon herauf,
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der Tag will sich entfalten!

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Umsonst! Noch säumt das holde Licht,
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noch sind die Herzen bleiern,
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noch rühren sich die Schläfer nicht,
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noch ist das Höchste ein Gedicht,
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das die Poeten feiern!

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Und doch, ihr Brüder, schenket ein!
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Doch muß ein Morgen tagen,
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da bricht die Freiheit stolz herein,
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da wird bei Ja, da wird bei Nein,
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da wird das Joch zerschlagen!

46
Ein Tag, wie die Trompete klingt,
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die Männer anzuwerben!
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Es kommt ein Tag, der, sturmbeschwingt,
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zurück in unsern Arm dich bringt,
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zu siegen und zu sterben!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Robert Eduard Prutz
(18161872)

* 30.05.1816 in Stettin, † 21.06.1872 in Stettin

männlich

deutscher Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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