Dankgedicht an Heinrich Reichsfraf von Brühl

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Friederike Caroline Neuber: Dankgedicht an Heinrich Reichsfraf von Brühl (1728)

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Nimm Hochgebohrner Brühl!
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von mir diess Dancklied an!
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Weil ich es mündlich itzt nicht mehr verrichten kan.
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Im Elend baht ich Dich um des Augustus Namen
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Um Seinen kalten Leib, von dem die Kräfte kamen
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Die deine Wohlfarth so vollkommen schön gebaut
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Dass man Dich itzo noch zu Seinem Nachruhm schaut.
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Ich bathe den August der lebet und regieret,
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Der itzt nach Ihm wie Er den Königs Zepter führet,
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Dass Er mir gnädig sey. Die doppelt Hohe Kraft
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Hat alle Noth und Qvaal auf einmahl weggeschaft.
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August hat mich erhört, und Du hast mich gehöret,
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Dass mir der Neid nichts nimmt, dass mich kein Lügner stöhret.
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Nunmehro steh ich still, und denck mit Lust zurück
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Ich bin dem Kummer gut, ich ehre nun mein Glück
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Das mir die Gnade bringt, ja dürft ich ohn Verletzen
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Der allerhöchsten Gnad gar nichts entgegen setzen,
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So wolt ich noch einmahl ins erste Elend gehn
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Nur diese Hohe Gnad, nur Deine Huld zu sehn,
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Die mich itzund erhält; das hält ich wissen sollen
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Wie gerne hätt ich Dich damahls verschonen wollen
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Mit meinem Klaggeschrey. Allein verzeihe mir,
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Ich flohe dazumahl in meiner Noth zu Dir
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Nicht nur allein um mich, nein, alle meine Pflichten
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Auch in der grössten Noth gebührend auszurichten.
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Die Wahrheit muste Dir auch nicht verborgen seyn,
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Sie ehrt den Landes-Herrn, macht das Gesetze rein,
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Setzt diesen, der es schreibt ins festeste Vertrauen;
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Deswegen liess ich mir vor keinem Umstand grauen,
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So hertzhaft machte mich Dein Ruhm und meine Pflicht.
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Vergieb mir noch einmahl, ô Herr! und zürne nicht
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Dass ich es wiederhohl. Sonst klagt ich so im Leide
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Itzt sag ich eben das aus wahrer Herzens Freude,
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Nun bin ich doppelt stark an Einsicht Muth und Treu,
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Du machst mir jeden Wunsch und alle Hoffnung neu,
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Du nimmst Dich meiner an; Nun hab ich nichts zu klagen
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Als dieses: Dass ich Dir nicht Danck genug kan sagen.
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Gott! Der zwey Königen das Hohe Hertz gelenckt,
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Dass jeder Dich, ô Herr! mit Seiner Huld beschenckt,
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Erhalte Dich dabey, dass Dein Geschick vollkommen.
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Und ohne Wanken bleibt, so wie es zugenommen!
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Dass an des Königs Wahl man Deinen Werth erkennt,
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Und jeder Dir Dein Glück und Deine Hoheit gönnt,
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Dass Reich, Staat, Land und Volck mit allen Freuden hören:
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Gott schenckt Dir seine Huld, August hält Dich in Ehren!

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Leipzig

47
am 23. Nov.

48
1737

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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