Bittgedicht an Heinrich Reichsgraf von Brühl

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Friederike Caroline Neuber: Bittgedicht an Heinrich Reichsgraf von Brühl (1728)

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Ach! Hochgebohrner Brühl!
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hilfft denn kein Bitten nicht?
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Und ist denn gar kein Mensch der vor mein Elend spricht?
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Was soll ich Arme thun? Soll denn des Müllers wegen
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Mein Recht gekräncket seyn? Kann Dich mein Jammer regen?
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Ist denn mein Hab und Guth desswegen nicht mehr mein,
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Weil es der Müller will? Es jammert einen Stein
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Und gleichwohl kan mein Leid doch keine Hertzen rühren
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Ach lass Dir dissmahl doch mein Recht zu Hertzen führen
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Es sieht das gantze Land alleine nur auf Dich
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Mein Recht ist offenbahr, und dennoch soll ich mich
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Davon verstossen sehn. Ach! lass Dich doch erbitten
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Ich habe ohne Schuld ja schon genug gelitten,
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Den Schaden thut mir ja kein Mensch nicht wieder gut
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Ich zittre, HErr! davor, und diss mein redlich Blut
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Das muss vor Hertzeleid in meinen Adern wallen
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Und durch die Augen gehn. Lass nur diss Wort erschallen
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Dass ich auf meinen Platz mein Brod behalten kan
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Und gieb dem Rath Befehl, es geht ja sonst nicht an.
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Weiss denn mein König nicht durch mein vielfältges Klagen
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Was mir mit Recht gehört? Du kannst es Ihm ja sagen
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Warum vorziehst Du denn? Es stehet ja bey Dir
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Den Vortrag frey zu thun, wir alle sind schon hier
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Viel hundert Thaler hab ich albereits verlohren
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Der Müller, der nur lügt und sich dazu verschworen
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Und fest entschlossen hat: mein Untergang allein
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Soll seiner Raserey ein FreudenOpfer seyn
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Der hintergehet Dich und will es nur erzwingen
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Mich um mein Haab und Guth, doch durch Befehl, zu bringen
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Denn wenn ich länger nicht zum Spiel Erlaubniss hab
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So bringt er mich gewiss dadurch an Bettelstab,
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Ich muss, denn Haab und Guth ist an dem Bau gewendet
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Nichts ist in meiner Hand, wenn sich die Noth nicht endet
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So wird mein gantzes Werck zerrissen und zerstört
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Wenn Da nicht für mich sprichst, dass mich der König hört.
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Ich bitte Dich zuletzt um des Augustus Nahmen,
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Um Seinen kalten Leib von dem die Kräffte kahmen
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Die Deine Wohlfurth so vollkommen schön gebaut
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Dass man Dich itzo noch zu Seinem Ehren schaut.
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Ich bitte dem August der lebet und regieret
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Und der an seiner Statt den KönigsZepter führet
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Dass Er mir gnädig ist, und mir den SchauspielPlatz
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Eröffnen lassen mag. Das ist der grösste Schatz
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Den ich erhalten kan, ich will mich nur, mit Ehren,
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Als wie ein Unterthan zur Nothdurfft drauf ernehren.
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Augustus Nahmen, den Er mir, als König, schrieb
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Wird, Hochgebohrner Herr, Dir doch gewiss mehr lieb
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Als wie der Müller seyn. Vergieb mir meine Klagen
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Ich weiss Dir warlich nun nichts kläglichers zu sagen.
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Verzeihe wenn die Noth Gesetz und Eisen bricht.
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Sind meine Worte schlecht, vorwirff sie darum nicht
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Ich werde Lebenslang Dich ehrerbiethigst ehren
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Und Deinen hohen Ruhm, in Demuth, auch vermehren.

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Hochgebohrner Herr!
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Ew. Hochgebohrn: Excell:

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Leipzig
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d. 17. Mäy
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1734.

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Nimm Hochgebohrner Brühl!
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von mir diss leichte Blat
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Das leyder! nichts als schon bekanten Inhalt hat
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Ich zittre dass ich Dich so sehr damit muss plagen,
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Allein was soll ich thun? Ich muss mein Elend klagen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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