[bittgedicht an die Maria Josepha, Königin von Polen]

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Friederike Caroline Neuber: [bittgedicht an die Maria Josepha, Königin von Polen] (1728)

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aus Kayserlichen Bluthe,
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Dein Nahme Standt und Stamm macht Deiner schlechsten Magd
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noch Hofnung, daß man sie von ihren Haab und Guthe,
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nicht ohne ihre Schuld aus Deinem Lande jagt.
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Ein
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als Herr in diesen Land gab er den frembden Brod,
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wenn seine Brüder auch im Mangel zu ihm reißen,
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so scheints, als will er nicht und hilfst doch ihrer Noth
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es bricht sein mildes Herz, ihm jammern seine Brüder,
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wenn unterdeßen gleich ihr Herze furchtsam klagt:
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Der Mann sprach hart mit uns! sie kommen dennoch wieder,
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wenn sie die Hofnung führt da sie ein Mangel plagt.
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Daß Gott mit
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von Gottes Weißheit auch sein Glück und Recht erhielt,
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zeigt, als er dazumahl bey seynem König bathe
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für böße Brüder die das Bruder Recht verspiehlt
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und voller Boßheit sich an ihm versündigt hatten,
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der König doch Befehl sie zu versorgen gab;
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des weißen
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man nahm von ihnen gleich ihr hart Verbrechen ab;
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Man sorgte für ihr Brod, man ließ sie redlich leben,
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ein milder
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hat ihnen statt der Straf großmüthiglich vergeben.
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Dein hoher Nahme ist vom Kayser
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durch dessen Hohe Krafft Dich Deine Weißheit ziert
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von deßen Hoheit auch Dein Wohlseyn zugenommen,
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daß iezt Dein Hoher Wehrt ein Land ein Reich regiert;
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Du sprichst Dein Hohes Wort für keine solchen Sünder
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wie dorten
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sprichst Du Lands Mütterlich für so viel Landes Kinder
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die alle redlich sind. Rührt Dich mein Herzeleid,
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rührt Dich mein wahrer Schmerz mit unumschranckter Gnade
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mit einen milden Geist der die bedrängten hört?
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so hinderst Du daß man mir also schade
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daß unser redlich Werck mit Jammer wird zerstöhrt.
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Ach! soltest Du nur erst der Sachen Umstand wißen
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Ach! wäre Dir nur erst das ganze Werck bekannt,
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Du würdest uns gewiß in Deine gnade schließen
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Du ließest uns gar nicht aus Deinem treuen Land;
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Du nähmst Dich unser an, Du hälffst die Unschuld schüzen
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Dein Königliches Herz wär selbst für uns bemüht,
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war Dir es nur bekannt was wir dem Lande nüzen,
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wie unser Schauplaz Schand und leere Poßen flieht;
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mit was für Ehrfurcht wir uns ordentlich bestreben
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zu Deines Landes Ruhm die Kunst recht zu erhöhn
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es könt unmöglich seyn Du göntest uns das leben
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wir würden ganz gewiß bey Dir in Gnaden stehn;
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So sind wir ganz versteckt vor Deinem Hohen Augen,
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man macht uns Dir verhaßt, wir sind vielleicht verklagt,
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Hier spricht kein Mensch für uns, daß muß zum Zeugniß taugen
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wir wären gar nicht wehrt daß man uns Schuz zusagt.
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Ach Große Königin sieh uns nur einmahl spiehlen
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sieh nur von unsrer Kunst ein Lust ein Trauerspiehl!
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Denn wird Dein reiner Geist selbst diese Wahrheit fühlen
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und sagen es geschieht den Leuten doch zu viel!
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wir wollen alle gern für unsre Kosten kommen,
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wir wollen Dir mit nichts verhaßt beschwerlich seyn
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da ich zu Deinen Thron die Zuflucht hab genommen,
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so sage nicht erzürnt zu meinen Bitten nein!
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Du trittst ja keinen Wurm wenn er Dir nichts kan schaden,
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Dein Königlicher Fuß zieht sich gewiß zurück,
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schenck uns als Würmern doch in Deinen Hohen Gnaden
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was Gott und Fleiß uns giebt, durch einen Gnaden Blick!
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Laß mich nicht unerhört von Deinem Throne gehen
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es kostet Dir ein Wort mehr will ich nicht von Dir
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Laß Deine große Gnad uns ihre Würkung sehen,
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Du schenckst so vielen Brod,
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Ich will uns nur damit zu Deinem Ruhm ernähren
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und weil ich leben kan, mit allergrößten Fleiß
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nach meiner Schuldigkeit Dein Hohes Herz verehren.
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Sprich noch ein Wort für uns! daß es Dein König weiß;
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und da sich über
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und wir in diesem Fall fast nur die einzgen sind,
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die voller Herzeleid bey
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so sprich! Dein Vorspruch gilt; daß ich Genade sind. –
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Wenn Große Königin dieß Blatt zu Deinen Füßen
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in tiefster Ehrfurcht fällt, und Dir mein Elend klagt,
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so dencke daß die Noth mich recht hat zwingen müssen
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denn ohne diese bin ich furchtsam und verzagt.
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Bey Deiner Gnade nur ist Hofnung mir zu rathen,
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ein Ja ist schon genug; mein Bitte ist gerecht,
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Du hilfst ja allen gern, so rett auch mich von Schaden
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vergieb mir! Bring ich Dir gleich meine Worte schlecht. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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