[bittgedicht an die Herzogin Luise Christine von Braunschweig]

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Friederike Caroline Neuber: [bittgedicht an die Herzogin Luise Christine von Braunschweig] (1728)

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O große Herzogin!
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Hüll diese meine Bitte
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die rein und billig ist in Deinen Vorspruch ein!
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ich klagte nicht so sehr wenn ich nicht schmerzlich litte,
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denn wenn ich klagen soll so muß es nöthig seyn.
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Gieb meinen Worten krafft, daß sie das Herze rühren,
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und daß die Königin mich arme Magd erhört,
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damit ich nicht mein Guth nur darum muß verliehren,
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weil es der Müller hat von Ihr für sich begehrt.
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Du weist bey Hofe muß die Wahrheit öffters leiden
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daß sie verstecket wird, nimm Du Dich meiner an,
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laß mich Dein Hohes Wort vor ihrem Thron begleiten,
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ich will nur redlich seyn sonst hab ich nichts gethan.
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ich habe Müllern nicht von seinem Brod verdrungen,
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ich habe nichts gesucht was ihm könt schädlich seyn,
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nun ist ihm durch Betrug einmahl ein Streich gelungen
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so dringt er mit Gewalt in mein Vermögen ein;
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Belügt den Landes Herrn, und braucht die Höchste Gnade
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zu nichts als nur dem Troz damit genug zu thun,
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daß er mich elend macht, und daß mein gröster Schade
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allein in seiner Macht und Willen soll beruhn.
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Er bittet was das Land ganz in Verwundrung sezet,
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denn so ists nicht erhört, daß man
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Er macht die Sache klein daß man sie gar nichts schäzet
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und daß man sie wohl gar von Recht und gültig spricht.
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sonst spräch er nicht mein Guth dem bößen Müller zu,
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unmöglich könt es seyn daß er mich ließ verjagen.
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Sprich große Frau vor mich, wer kennt mich sonst als Du?
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Du kennst dem Müller auch Du kennst auch meine Leute
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Du hast so viele Jahr uns öffters Gnad geschenkt
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Verlaß mich nicht iezund, erhöre mich auch heute,
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weil sich mein armes Herz so gar empfindlich kränckt
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Sprich hab ich was gethan, ob alle meine Sachen
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nicht wahr und redlich sind, ob Wercke Wort und that,
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nicht unsre Spiele rein und sehens würdig machen,
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und ob man über uns in was zu klagen hat!
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Dein Herzog hat uns gar dis schwere Jahr erhalten
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da mich, die Trauerzeit, mein Vaterland verließ
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und nach dem ersten Spruch von unsern lieben alten
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mit schmerzlichen Verlust der Nahrung trauern hieß;
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wär dieses nicht geschehen, so wär schon mehr verlohren,
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wir alle wären schon in schlechtern Stand gesezt,
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doch seine Gnade hat uns mehr darzu erkohren
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daß unser Werck besteht und es so werth geschäzt.
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Gott danckt an meiner statt Euch mit dem reichsten Seegen
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ich arme habe nichts davor genug zu thun,
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kan Schmerz und Herzeleid Dein Hohes Herz bewegen,
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Ach so erbarme Dich! sprich für mich! Hilff mir nun!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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