Den Berg, der den Florentinern

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Ludwig Tieck: Den Berg, der den Florentinern Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Den Berg, der den Florentinern
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Immerdar vor Augen schwebt,
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Sind wir heut erstiegen,
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Das alte Fiesole zu besuchen.
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In dem Kloster dort erlabten uns Gebilde
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Von Giotto und dem frommen Johann,
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In der Bücher Pracht.
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Doch endlich sind wir höher geklimmt,
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Zur Spitze hinauf,
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Wo unter Cypressen
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Einsam das Kloster der Franziskaner ruht.

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Ein kalter Wind durchsaust die Berge,
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Nach dem Gewitter ist die Gegend trübe,
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Weit umher ergeht sich hier der Blick
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Ueber Felsen weg durch Thäler hin,
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Und zu den Füßen liegt Fiesole und Florenz.

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Wie wir mit den Mönchen gespeist,
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Erbietet man sich zu unserm Ergetzen,
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Da das Wetter rauh und unfreundlich,
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Mit uns Schach zu spielen.
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Meine Gefährten treten beschämt zurück,
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Und ich, überrascht, als der Einzige
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Der die Kunst versteht und übt,
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Erbiete mich, der Landsmannschaft Ehre zu retten.
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Doch selbst seit der Kindheit
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Hab' ich kaum den Stein berührt,
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Und nie hab' ich mehr von der Weisen Ergötzung
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Gefaßt als nur die Züge.
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Der klügste, gewandteste Pater wird mir
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Als Feldherr gegenüber gestellt,
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Ein feiner Kopf, so freundlich-schön
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Wie man ihn wohl auf alten Bildern sieht.

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Der Kampf beginnt: –
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Und ich, nur in Aengsten,
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Nicht gleich die schlimmsten Blößen zu geben,
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Ziehe, im Zagen mit zaudernden Unwissen,
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Und rings die andern,
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Alte wie Junge
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Erwundern mein kluges, feines Spiel,
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Der Feldherr selber
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Weiß kaum sich zu wehren,
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Und ich verstehe selbst von meinen Listen nichts.
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Lob auf Lob, Bewundrung, laute,
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Ermuthigt mich, und trunken, erhitzt
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Such' ich mir eines Planes bewußt zu werden.
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Schon giebt man den Pater verlohren,
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Und ich strebe tantalisch vergeblich
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Zu sehn, die Einsicht nur etwas zu gewinnen,
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Doch nur mechanisch rückt der Finger die Holzgestalten.

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Man sagt, in drei Zügen sei ich der Meister,
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Da verläßt plötzlich der Genius den Blinden,
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Und lautes Gelächter statt der Ehrfurcht
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Umschallt und beschämt mich,
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Denn wie ich rücke spiel' ich mich selber
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In wenigen Zügen matt,
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Und rings die Versammlung
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Begreift so wenig
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Die hohe List, wie jetzt die Einfalt.

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So erzählt man, daß der große Condé
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Als Meister begann
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Und beschloß als Schüler.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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