Endlich seh ich unter mir Wald

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Ludwig Tieck: Endlich seh ich unter mir Wald Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Endlich seh ich unter mir Wald,
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Und groß stehn die bewachs'nen Felsen da,
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Ueber dem dunkeln Thal ein Gewitter.
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Seitwärts zieht es mit schwarzen Flügeln
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Und murrt, ein zürnender Drache,
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Plötzlich bricht der Groll mit Brüllen aus,
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Und der Sturm antwortet in Zorneswuth,
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Die Wolken ängsten sich und zittern,
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Und dichter rings die Schatten.
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Nur der Nachtigallen Chor
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Singt im Hymnenklang, schmetternd,
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Wirbelnd und in ringenden Tönen,
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Den rauschenden Wassern, dem tosenden Sturm,
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Dem Wald und dem Donnergebrause,
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Siegend entgegen, und laut erwiedert
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Echo vom Felsen drüben
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Die dichterischen vollen Klänge.

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Wie das Elend die Welt durchzieht,
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Wie mächtige Thaten erstaunen,
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Reiche und Thronen fallen –
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Dennoch klingt des Sängers Harfe,
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Spielend, kindlich, weich und tändelnd,
23
Und gern vernimmt ihn die trauernde Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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