Oft, wenn die Nacht dunkelt

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Ludwig Tieck: Oft, wenn die Nacht dunkelt Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Oft, wenn die Nacht dunkelt,
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Kann ich ungeduldig kaum erwarten
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Mich auf das Lager hinzuwerfen,
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So peinigt mich Ermattung und Schwäche.
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Und doch am frühen Morgen wieder
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Rufen mich die Bücher,
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Weckt mich das Coliseum, oder St. Peter,
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Die Trümmer dort, das Bildniß hier,
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Der Tempel im entlegnen Weinberg:
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Zum Vatikan ist oft mein Weg gerichtet;
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Ungern versäum' ich den alten Hymnengesang,
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Sei's in neuen, sei's in alten Kirchen;
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Dann lockt mich das Feld hinaus,
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Die herrlichen Gärten,
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Ein Volksfest auch, der Tiberstrom,
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Den Sonnenuntergang zu sehn
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Von Pietro Mantorio.
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Auch die Büchersammlung
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Der Klöster wird durchschaut,
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Dann quält mich am Abend das Theater,
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Das ich ungern misse,
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Und immer wird mir doch der Tag zu kurz,
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Und viel zu lang die Nacht.

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Jetzt aber hat ein Unruhstiftender
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Irrer und schlimmer Geist
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Mir noch die Arbeit gehäuft.
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Der Verführer hat mich auf den Vatikan gelockt,
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Dort die alten deutschen Schriften,
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Vom Dietrich von Bern und Tristan,
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Titurell und Malagys,
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Vom König Rother und den Heymonskindern
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Zu lesen, zu vergleichen,
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Mir vieles abzuschreiben.
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Nun schelt' ich erst den Tag
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Und die zu flücht'gen Stunden,
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Nun scharr' ich, dem Geizigen gleich,
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Alle Minuten zusammen,
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Und karge vom Mahl und Schlaf
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Mir die Sekunden ab,
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So treibt mich ein schlimmer Fleiß; –
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Und ich mußte nach Rom gehn
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Um erst recht stockdeutsch zu werden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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