Die künstlichen Burattini zu sehn

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Tieck: Die künstlichen Burattini zu sehn Titel entspricht 1. Vers(1813)

1
Die künstlichen Burattini zu sehn
2
Sucht' ich in finstrer Nacht
3
Den großen Platz Navona.
4
Im Corso blendeten die Feuer,
5
Betäubte das Geschrei
6
Der Fruchtverkäufer.
7
Still und dunkel in den Nebengassen:
8
Als ich geblendet, betäubt
9
Den Weg erfrage,
10
Stürzt mit Löffel und Schürze
11
Ein Koch aus dem Pallaste
12
Und führt mich belehrend und schwatzend
13
Einige Straßen hindurch,
14
Sich dann entschuldigend
15
Daß seine Bestimmung zurück ihn rufe
16
Rennt er hastig von mir
17
Ohne nur Dank zu erwarten.
18
Seiner Weisung folgend
19
Tapp' ich durch die Finsterniß hin
20
Die dichter und dichter sich vor mich baut.
21
Endlich steh' ich ruhend,
22
Rathlos und verirrt,
23
Kein Mensch in der Nähe.

24
Da wandelt' eine Gestalt heran:
25
Wo geh' ich wohl zum Platz Navona?
26
Ertönt die bescheidene Frage.
27
Der edle Römer kommt mir näher.
28
Sie sind ein Fremder, so beginnt er,
29
Kein Wunder, daß in der furchtbaren Finsterniß
30
Ihr Fuß irre geht,
31
Und wir Armen, Elenden
32
Stehn noch so weit andern Nationen zurück,
33
Daß wir niemals Laternen zünden
34
Als nur vor Marienbildern. –
35
Er trat mir näher und faßte meine Hand:
36
Doch gute, hülfreiche Menschen,
37
Sprach er leiser und liebevoller,
38
Ersetzen Licht und Fackel;
39
Und wer wäre der Elende,
40
Der nicht gern und mit Freuden selbst
41
Dem verirrten Nächsten hülfe?
42
Sei's auch mit Opfer der Zeit,
43
Daß er mit ihm bleibt und wandelt.
44
Und wehe dem Eigennützigen,
45
(er ist kein ächter Römer)
46
Der nur um schnödes Geld
47
Dem Fremdling seine Dienste widmet.
48
Nein, immer war unsre hohe Stadt berühmt,
49
Daß sie gern Hülfe, Rath und Trost spendete,
50
Ohne nach dem blanken Gewinn zu schielen.
51
Auch ich rühme mich ein solcher Bürger zu seyn,
52
Und mancher Dankbare nennt meinen Namen
53
Und mancher Undankbare verschweigt ihn.
54
So hat das Schicksal es freilich gefügt,
55
Daß ich meiner Großmuth nicht mehr gehorchen darf,
56
Flehende Kinder, die weinende Gattin
57
Jammern ihr mächtiges Nein entgegen,
58
Doch kann sich mein Herz nicht gewähren
59
Eng und kargend nach Geld zu trachten.
60
Anders ist es freilich mit Edlen,
61
Von denen darf auch der Stolze empfangen,
62
Und der Freigebige, der tausendmal gab,
63
Werde nicht roth auch einmal zu nehmen,
64
Denn das ist gewiß,
65
Die größesten Herzen,
66
Die feinsten Gemüther,
67
Kommen jenseit der Alpen uns herüber.

68
Ich, des Geschwätzes müde,
69
Hatte schon die Silbergroschen gefaßt,
70
Die ihm nun in die Finger glitten:
71
Doch wo ist der Platz?
72
Fragt' ich ungeduldig.

73
Trefflichster, sagte der Schalk,
74
Indem er mit leiser Hand
75
Die Wange mir rührend den Kopf mir richtete,
76
Hier liegt er vor denenselben,
77
Wir stehn schon darauf.

78
Weder mein Lachen noch den Zorn erwartend,
79
War er schnell in der Dunkelheit entwichen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.