Hier vernimmt mein Ohr die Töne

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Ludwig Tieck: Hier vernimmt mein Ohr die Töne Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Hier vernimmt mein Ohr die Töne
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Voller und gewaltiger
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Von euch, ihr Hochgeweihten,
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Die mir drüben nur als Echo klangen
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Matt und schwach, fast ohne Farbe.
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Schon der frühe Morgen
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Findet mich bei Dantes Reimen
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Und Ariostos Zauberspielen,
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Jetzt versteh ich dich, Petrarka,
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Und die zartgeflochtne Rede
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Des kühnen Boccacio.
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Tasso, Tassani,
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Bojardo, und Lorenz der Medicäer,
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Lascen, und alle die frohen Zeitgenossen
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Warten schon auf meine Muße.
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Und drum find' ich kaum die Stunde,
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Was die Landsleute dachten
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Zu prüfen und mir anzueignen.
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Komm' ich doch zu euch zurück,
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Gönnt mir diese Feierstunden,
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Nie kann ich euch vergessen.

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Oft schon hat man belacht,
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Daß der Engelsmann reisend
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Allen seinen lästigen Trost mit sich führt,
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Und zum Aetna hinauf
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Den Theekessel schleppt,
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Um am Krater
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Wie an Londons Kamin
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Den chinesischen Trank zu schlürfen.
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Lächle doch keiner,
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Denn schlimmer als diese
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Treiben's die Deutschen.
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Wandeln doch oft mit mir
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Hochgebildete, feine,
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Fast gelehrte Edelleute,
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Die nur weniges der Italischen Sprache
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Lesend entwenden,
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Doch alle Meisterwerke
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Tragisch und komisch
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Unsers Kotzebue, Lafontaine,
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In großen Kisten mit sich führen,
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Und schwer und theuer
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Die heimathlichen Gefühle zahlen.

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Jüngst fragte mich einer
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Neugierig forschend,
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Ob ich vielleicht ganz unbedingt
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(was ihm unbillig schien)
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Göthe's Fragment vom Faust
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Der Dichtung Schinks
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Den Vorzug gäbe.
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Er schüttelte ungläubig
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Das denkende Haupt,
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Als ich ihm betheuert,
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Daß mir die zweite unbekannt,
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Und ich auch ohne Trieb mich fühle
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Sie zu genießen.
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Ja wohl heiß' ich ihm unpatriotisch,
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Einseitig in die Erfindungen
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Der Wälschen vergafft.
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Mit gutmüthigem Eifer
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Wird mir von Enthusiasten
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Oft aufgedrängt,
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Dem ich schon jenseit der Alpen
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Gern entfloh.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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