So oft mein Fuß hier wandelt

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Ludwig Tieck: So oft mein Fuß hier wandelt Titel entspricht 1. Vers(1813)

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So oft mein Fuß hier wandelt
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Vernehm' ich Geistergeflüster,
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Herab vom hohen Capitol,
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Durch der Säulen Lockenhaupt,
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An den Pallasttrümmern Cäsars.

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Welche Welt lehrt aus dem Schutte,
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Aus des Coliseums Wölbungen,
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Vom Friedenstempel, und Titus Triumph,
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Welche Sage wandelt noch Wunder sprechend
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Unter diesen Bögen!

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Hier müssen in heiliger Stimmung
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Fürsten und Priester einhergehn,
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Und der Denker, dem die Geschichte
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Gottes Gegenwart furchtbar zeigt,
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Furchtbar und tröstend,
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Erschütternd und beruhigend.

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Schaut alle hier die schmerzlichste Wunde,
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Die die Zerstörung schlug,
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Und die noch immer blutet.
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Hier spricht der zuckende Leichnam
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Erhabne Worte.

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Aber die Sterblichen
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Wandeln ruhig dahin,
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Und wohl ist Allen,
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Daß ein lächelnder Genius
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Ihnen schalkhaft die hüllende
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Binde vor das Auge geheftet.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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