Beschlossen war die Fahrt und doch verzögert

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Ludwig Tieck: Beschlossen war die Fahrt und doch verzögert Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Beschlossen war die Fahrt und doch verzögert.
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Wundersame Mähren,
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Wie aus dem Dunkel früher Jahrhunderte,
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Leben wieder auf und wandeln uns nah.

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Es schüttelt bedenklich
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Der Vetturin das Haupt,
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Der Wirth und die Gäste
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Schauen sich ernsten langen Blickes an,
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Und an der Furcht des einen
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Zündet jener am Funken
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Die Fackel seiner Angst.

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Ein scheußlich großes Ungeheuer
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Lagert auf dem Wege,
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Unbeschreiblich ist es, aber kräftig, wild:
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Erst nur verschlang es Schaafe und Hammel,
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Dann auch die Menschen,
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Wagen und Pferde.
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Ist es ein Lindwurm?
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Kehren die Drachen denn wieder,
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Die wilden Würme,
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Die Dietrich von Bern so früh schon vertilgte?

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Jammer auf Jammer!
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Schon wieder ein Fuhrmann,
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Der Angst und Roth
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Mit zitternden Lippen berichtet.
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Von Mantua aus zog ein Geschwader,
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Wohl gerüstet,
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Mit Schwert und Lanze,
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Und neuen Flinten,
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Nicht wenige Mannschaft.
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Und Lieutnant weder,
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Noch Sergeant, Corporal,
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Am wenigsten die Gemeinen,
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Haben die Thore der Stadt je wiedergesehn:
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Wo sind sie geblieben?

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Mit welchem neuen Kriegesmuth
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Muß der Gräuelwurm nun schreiten,
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Unüberwindlich trotzen,
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So viele Helden im Bauch!
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Nun beschwört uns unser Florentiner,
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Der selbst gern dem Vaterlande zueilt,
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Ja zu warten und zu harren,
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Still ergeben,
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Bis man merkt wohin sichs wende,
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Wenn das neue Commando
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Dort aus der Vestung
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Mit Artillerie reichlich begleitet,
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Dem Ungethüm entgegen eilt.

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Doch mit Bitten, Lachen, Drohen,
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Schimpfen, Zank und vielem Scherz,
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Wird der Zitternde doch bewogen,
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Die Thiere einzuspannen.
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Der Senat schüttelt das Haupt,
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Und sieht uns weislich nach,
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Meint am Ende,
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An thörichten Deutschen sei freilich nicht viel verloren.
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Hell scheint die Sonne,
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Schnell läuft das Fuhrwerk,
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Und der Regierer
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Hat Augen rechts und links und allerseits.
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Alles in Ruhe,
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Doch naht nur ein Reiter,
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So hält er sinnig an.

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Schon entwickelt sich in grüner Ebne
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Die Vestung dort,
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Sein Muth erwächst so mehr und mehr,
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Er treibt die Rosse
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Und an dem Thore
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Sind wir geflügelten Laufs.

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Welch Menschengedränge!
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Welch Toben! Welch Erzählen!
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Welch Jubelgeschrei!
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Und aus dem Irrsaal
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Vernimmt man die Mähre,
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Das Furchtgethier
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Sei eingefangen,
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Von kühner Heldenfaust erlegt,
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Und dort auf dem Rathhaus für wenige Groschen zu sehn.

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Wir steigen ab,
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Und folgen dem Zuge.
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Was war das Gespenst?
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Ein mäßiges Wölflein,
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Dem man mit Pflöcken
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Den Rachen aufgesperrt,
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Daß die poetischen Menschen,
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Die Phantasie begabten,
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An seinem nicht großen Gezahn
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Sich schaudernd ergötzten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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