Es funkelt Gold in wilden Trümmern

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Ludwig Tieck: Es funkelt Gold in wilden Trümmern Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Es funkelt Gold in wilden Trümmern,
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Tief im verborgenen Gestein,
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Ich sehe ferne Schätze schimmern,
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Mich lockt der räthselhafte Schein.

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Und hinter mir fällt es zusammen,
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Ha! um mich her ein enges Grab,
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Die Welt, der Tag entflieht, die Flammen
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Der Kerzen sinken, sterben ab.

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Die Hand klopft zitternd an die Wände,
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Der unterird'sche Wandrer schaut
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Nach Licht und Rettung, ohne Ende
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Das Dunkel! – Ihn erquickt kein Laut.

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Er hämmert in den Felsgemächern
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Mit einer dumpfen Lebensgier,
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Gefangen von den dunkeln Rächern,
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Zur Strafe seiner Wißbegier.

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Da äugelt aus der fernsten Ritze
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Ein blaues Lichtchen nach mir hin,
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Ich krieche zu der schroffen Spitze,
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Und taste mit entzückten Sinn.

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Und ach, es ist das Goldgestein,
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Das mich zuerst hierher versucht,
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Nun labt mich nicht der Flimmerschein,
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Der boshaft mich zuerst versucht.

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Es sehnt der Geist sich nach dem Bande,
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Das ihn mit zarter Fessel hielt,
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Als er sich wie im Vaterlande
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In seiner stillen Brust gefühlt.

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Fern liegt das heimische Gestade
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Um wilden Taurien verirrt,
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Kniet er umsonst und flehet Gnade,
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Das blut'ge Opfermesser klirrt!

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Doch Blumen blühn in diesen Schrecken,
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Die hell mit rothem Purpur glühn,
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Die Todesschatten, die ihn decken,
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Sie lassen prächt'ge Funken sprühn.

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Liegt alles nur im Sinnenglücke?
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Vereint sich jeder Ton zum Chor?
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Für tausend Ströme eine Brücke?
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Gehn alle Pilger durch dies Thor?

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So öffnet mir die dunkeln Reiche,
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Daß ich ein Wandrer drinnen geh,
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Daß ich nur einst das Ziel erreiche
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Und jedes Wunder schnell versteh.

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Eröffnet mir die finstern Pforten,
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An denen schwarze Wächter stehn,
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Laßt alle gräßlichen Kohorten,
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Mit mir durch jene Pfade gehn!

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Je wildre Schrecken mich ergreifen,
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Je höher mich der Wahnsinn hebt,
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So lauter alle Stürme pfeifen,
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Je ängstlicher mein Busen bebt,

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So inniger heiß ich willkommen
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Was gräßlich sich mir näher schleift,
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Dem ird'schen Leben abgenommen,
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Zum Geister-Umgang nun gereift.
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Alles Wilde, was ich je gedacht,
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Alle Schrecken, die ich je empfunden,
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Rückerinn'rung aus der trübsten Nacht,
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Grauen meiner schwärz'sten Stunden,
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O vereinigt euch mit meinen Freuden,
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Stürmet alle um mich her,
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Schlinget euch an alle meine Leiden,
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Fluthet um mich gleich dem wilden Meer,
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Daß das Morgenroth sich in dem Abgrund spiegle,
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Graun und Schrecken meine Heimath sey,
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Daß der Wahnsinn immer rascher mich beflügle,
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Und zum dunkeln Thor der Hölle zügle,
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Nur Erynnen! gebt mich von den Zweifeln frey!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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