1.

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Ludwig Tieck: 1. (1813)

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Der edle Herzog groß
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Von dem Burgunder Lande
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Litt manchen Feindesstoß
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Wohl auf dem ebnen Sande.

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Er sprach: mich schlägt der Feind,
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Mein Muth ist mir entwichen,
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Die Freunde sind erblichen,
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Die Knecht' geflohen seynd!

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Ich kann mich nicht mehr regen,
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Nicht Waffen führen kann:
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Wo bleibt der edle Degen,
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Eckart der treue Mann?

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Er war mir sonst zur Seite
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In jedem harten Strauß,
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Doch leider blieb er heute
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Daheim bei sich zu Haus.

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Es mehren sich die Haufen,
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Ich muß gefangen sein,
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Mag nicht wie Knecht entlaufen,
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Drum will sterben fein! –

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So klagt der von Burgund,
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Will sein Schwerdt in sich stechen:
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Da kommt zur selben Stund
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Eckart, den Feind zu brechen.

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Geharnischt reit't der Degen
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Keck in den Feind hinein,
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Ihm folgt die Schaar verwegen
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Und auch der Sohne sein.

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Burgund erkennt die Zeichen,
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Und ruft: Gott sei gelobt!
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Die Feinde mußten weichen
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Die wüthend erst getobt.

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Da schlug mit treuem Muthe
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Eckart ins Volk hinein,
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Doch schwamm im rothen Blute
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Sein zartes Söhnelein.

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Als nun der Feind bezwungen,
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Da sprach der Herzog laut:
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Es ist dir wohl gelungen,
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Doch so, daß es mir graut;

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Du hast viel Mann geworben,
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Zu retten Reich und Leben
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Dein Söhnlein liegt erstorben,
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Kanns's dir nicht wieder geben. –

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Der Eckart weinet fast,
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Bückt sich der starke Held,
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Und nimmt die theure Last,
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Den Sohn in Armen hält.

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Wie starbst du, Heinz, so frühe,
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Und warst noch kaum ein Mann?
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Mich reut nicht meine Mühe,
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Ich seh' dich gerne an,

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Weil wir dich, Fürst, erlösten,
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Aus deiner Feinde Hohn,
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Und drum will ich mich trösten,
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Ich schenke dir den Sohn.

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Da ward dem Burgund trübe
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Vor seiner Augen Licht,
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Weil diese große Liebe
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Sein edles Herze bricht.

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Er weint die hellen Zähren
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Und fällt ihm an die Brust:
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Dich, Held, muß ich verehren,
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Spricht er in Leid und Lust,

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So treu bist du geblieben
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Da alles von mir wich,
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So will ich nun auch lieben
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Wie meinen Bruder dich,

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Und sollst in ganz Burgunde
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So gelten wie der Herr,
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Wenn ich mehr lohnen kunnte,
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Ich gäbe gern noch mehr.

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Als dies das Land erfahren,
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So freut sich jedermann,
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Man nennt den Held seit Jahren
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Eckart den treuen Mann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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