Trübe hing ein dichter Schleier

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Ludwig Tieck: Trübe hing ein dichter Schleier Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Trübe hing ein dichter Schleier
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Ueber Busch und Wald daher.
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Sagt, wo ist die Frühlingsfeier?
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Ist der Wald an Tönen leer?

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Rührt kein Wind sich in den Zweigen,
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Treibt die Wolken über's Feld? –
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Dumpfes, ödes, todtes Schweigen,
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Die Natur gefangen hält. –

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Und mir ward im Busen bange,
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Denn kein Stimmlein sprach mich an,
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Seufzte tief und harrte lange,
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Klagte: Sonne, komm heran!

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Aber dichter ward der Schatten,
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Wolken hingen tiefer ab,
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Dunkler schwärzten sich die Matten,
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Alles Feld ein enges Grab.

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Durch den Nebel warf ich Blicke
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Wie man in die Ferne schaut,
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Alle kamen mir zurücke,
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Finsterniß war vorgebaut.

21
Da warf ich mich weinend nieder,
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Wünscht' im Unmuth todt zu seyn:
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Todt sind alle Lerchenlieder,
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Abgestorben Sonnenschein. –

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Warum soll denn ich noch leben
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In der wüsten Dunkelheit,
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Hier wo Schrecken um mich weben,
28
In mir selber Angst und Leid? –

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Plötzlich war's, wie wenn an Saiten,
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Abendwind vorüberschwebt
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Und in Harfentönen webt,
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Ueber Blumen hinzuschreiten,

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An der fernsten fernsten Gränze
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Theilte sich die dunkle Nacht,
35
Und ein Sonnenblick voll Pracht
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Wand sich durch die Nebelkränze.

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Als ich kaum zu athmen wagte,
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Schoß der Strahl, ein goldner Pfeil,
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Schnell in glühendrother Eil
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Hin zum Orte, wo ich klagte.

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Schreckenfroh sah ich den Schein,
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Kriegte Muth zu neuem Leben:
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Sollte das der Frühling seyn?
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Könnt' es doch wohl Freuden geben?

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Da erglühten schon die Wogen,
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Funkeln ging auf grüner Flur,
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Morgenroth sprang kühn in Bogen,
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Glänzend, taumelnd die Natur.

49
Und die Waldung blieb nicht träge,
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Alle Vögel sprangen auf,
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Jubelten durch das Gehäge,
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Jagten sich im muntern Lauf. –

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In des Jauchzens Lust verloren
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Dacht ich nicht an Sterben mehr,
55
Fühlte mich nun neugeboren
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In dem goldnen Freudenmeer.

57
Ach! sie ist mir endlich nahe,
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Nach der meine Sehnsucht rang,
59
Seit ich ihre Augen sahe
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Fühl' ich neuen Lebensdrang.

61
Alle Klagen sind verschwunden,
62
Fort der Seufzer banger Schwarm,
63
Mit der Liebe fest verbunden
64
Ruh' ich in des Glückes Arm. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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