Muthwill und Spiel und Kuß stehn mir zur Seiten

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Tieck: Muthwill und Spiel und Kuß stehn mir zur Seiten Titel entspricht 1. Vers(1813)

1
Muthwill und Spiel und Kuß stehn mir zur Seiten,
2
Und mit Erstaunen sehn sie, daß ich schreibe,
3
Sie fragen kindisch: was soll das bedeuten?
4
Ich sage ihnen, wie entfernt ich bleibe
5
Von dir noch immer, süße Braut; geleiten
6
Will ich dich hin, so spricht die Hoffnung, treibe
7
Den Scherz nur fort und andre die hier plaudern.
8
Ein Wink, sie gehn und dürfen nicht mehr zaudern.

9
Mit dir allein, allein mit meinen Thränen,
10
O Hoffnung, milde Trösterin, nun eile
11
Mit mir, es fliegt voran mein brünstig Sehnen,
12
O mach, daß ich im Wink die Ferne theile,
13
Daß ich mich nicht mehr darf verlassen wähnen!
14
Sie lächelt dann so still und spricht: verweile,
15
Nicht zu ihr sollst du fliehen, sie kehrt zurücke,
16
In vorger Heimath winket dir dein Glücke.

17
So geht sie fort, und aus dem Boden spriessen
18
Nur Schmerzen wo gewandelt hat ihr Fuß,
19
Die zarten Blüthen muß ich dann begießen
20
Mit Thränen, und in Seufzern strömt ihr Fluß; –
21
Ich denke dich, und wie sie immer fließen
22
Steigt vor mir auf dein Blick, dein Wink, dein Kuß,
23
Du wandelst auf den Schmerzen hin und wieder,
24
Es schwingt sich wie Musik der Bau der Glieder.

25
Du lächelst und vom rosenrothen Munde
26
Gehn Worte und ein wonnetrunkner Laut,
27
Du redest von der schönen einzgen Stunde
28
Als du geworden meiner Liebe Braut,
29
Als unter Freud' und Schmerz im süßen Bunde
30
Dein Herz dem meinigen sich ganz vertraut,
31
Als wir nicht wußten mehr ob Thränen, Lust,
32
Fest druckte Mund an Mund und Brust an Brust.

33
Geheimniß süß in allen Küssen webte,
34
Das sich so zart in unsre Lippen senkte,
35
Ein Liebes-Geist auf unsern Zungen strebte,
36
Der in dem Balsam jedes Wort ertränkte,
37
Was nicht als Lieb' in unsrer Seele lebte,
38
Was zweifelnd ja noch unsern Geist bewegte,
39
Das wurde nun im tiefsten Meer verlohren,
40
Und aus den Wogen Venus selbst gebohren.

41
Seitdem beherrscht Liebe nur unsre Sinne,
42
Von Liebe klingt in uns das rothe Blut,
43
So hat bezwungen uns die Kraft der Minne
44
Daß ewigen Triumph der trunkne Muth
45
Nur feiern will, daß nichts uns zum Gewinne,
46
Nichts unserm Herzen theuer dünkt und gut,
47
Was Liebe nicht, nur Liebe athmet, meinet,
48
Kein Leben, wenn nicht diese Sonne scheinet.

49
So grünen wir dann auf und wollen blühen,
50
Umarmung ewig tragen an den Zweigen,
51
Die Küsse sind die Blüthen, die dran glühen
52
Und ewig sich in rother Sehnsucht zeigen:
53
Was wird dem Baum noch sonst für seine Mühen?
54
Die Liebesgötter tanzen hier den Reigen,
55
Und Lust und Scherz die Zweige alle regt,
56
Die goldne Frucht vom Baum herunterschlägt.

57
Und Winke, Scherze, Muthwill fallen nieder,
58
Und Liebesworte, Küsse, wie die Aeste
59
Sich schütteln, flattern Klänge, süsse Lieder,
60
So wie die Nachtigall von ihrem Neste; –
61
O wann, wann kehret doch die Stunde wieder
62
Und bringt zurück mir all die holden Gäste? –
63
Du hörst wohl hier mein leeres Reimgeschwätze,
64
Siehst nicht wie ich das Blatt mit Thränen netze. ––

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.