Die Geliebten und die Schönen

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Ludwig Tieck: Die Geliebten und die Schönen Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Die Geliebten und die Schönen
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Weinen,
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Daß der Frühling mit den Kränzen,
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Mit der Blumen süssem Glänzen,
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Mit den Nachtigallen Tönen,
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Im Erscheinen
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Nur so kurze Zeit mag weilen,
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Daß er mit den Vögeln, Düften, Farben muß so schnelle eilen.

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Freilich ist es nur ein Träumen,
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Spielend
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Kommt das Kind in unsre Auen,
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Wie wir in die Bläue schauen
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Seines Blicks, in Himmels-Räumen,
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Lieblich fühlend
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Wie ein Fest uns soll beginnen,
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Flog der Lose boshaft, wenn wir rückwärts schauen, schon von hinnen.

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Alle Blüthen sind verstreuet,
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Grünen
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Möchte Laub und Gras so treulich,
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Blumen möchten seyn erfreulich,
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Doch das Jahr ist schon entzweiet;
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Und erschienen
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Ist der Sommer mit den Früchten,
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Nachtigall sieht alles reifen muß in andre Frühling' flüchten.

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Holde Liebe, süße, treue,
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Klagen
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Muß ich, daß wie Wolkenschauer
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Plötzlich kommt die Angst und Trauer;
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Machst du erst das Jahr so neue?
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Muß ich fragen,
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Ach wie grausam, daß so balde
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Ich allein gelassen von Gesang und Licht und Duft im Walde?

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Ja der Frühling muß entweichen,
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Freuden,
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Alle frohen goldnen Stunden
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Haben bald den Tod gefunden,
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Blumen, Lichter, Farben bleichen,
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Wälder kleiden
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Sich in grünen Schmuck und prangen,
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Ziehn das Kleid aus, trauern stille, wann die Hochzeit ist vergangen.

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Darum pflückt die Garten-Sterne
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Sinnend
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Gern das liebesschwangre Herze,
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Trägt sie wie die glimmende Kerze
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Still behutsam nur so ferne,
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Daß sie brennend
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Des Geliebten Hand mag fassen,
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Und der lächelt in die Flamme, die am Abend muß verblassen.

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Doch er ließt den Liebesmuth
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Freudig
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In dem zarten bunten Kinde,
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Druckt das Zeichen dann gelinde
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An die rothe Lippengluth,
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Seufzt: was leid' ich!
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Warum sollten doch wohl pflegen
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Gärtner helle Rosen, könnten Liebesherzen sie nicht hegen?

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Also muß ein liebes Singen
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Innig,
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Wie es flüchtig geistig schwebet,
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Kaum bewußt sich, daß es lebet,
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Das geliebte Herz durchdringen:
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Ach, das bin ich!
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Klagt die Seele in die Töne,
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Um so kürzer euer Leben, um so mehr nur hold und schöne.

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Was soll Liebe doch wohl lieben,
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Liebe,
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Als das schöne arm Vergängliche?
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Pflegen muß sie zart die kränkliche
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Freude, und sich daran üben,
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Denn sie bliebe
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Nicht die Liebe, wenn das eine,
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Was da ist und bleibt, ihr Wunsch wie Freude sollte seyn alleine.

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Was noch zarter ist als Töne,
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Scherzend
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Mehr als Melodie und Düfte,
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Selber nicht berührt die Lüfte,
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Lebend in der eignen Schöne
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Lieblich scherzend? –
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Ach es sind die Liebsgedanken
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Die in Wehmuth, Sehnsucht, Andacht, wie in Blumenkelchen schwanken,

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Wem die Lippen sind verschlossen
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Klängen,
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Wem nicht Blumen Winter giebet
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Und er treu und sehnlich liebet
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Ganz von Ahndungen umflossen,
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In Gefängen
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Muß sein Herz heimlich zerrinnen,
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Wunsch, Andenken ewiges, sind die Blumen, die er kann gewinnen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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