Wie ist es denn, daß trüb und schwer

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Ludwig Tieck: Wie ist es denn, daß trüb und schwer Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Wie ist es denn, daß trüb und schwer
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So alles kömmt, vorüberzieht,
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Und wechselnd, quälend, immer leer,
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Das arme Herz in sich verglüht?

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Kaum gekommen
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Soll ich scheiden,
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Kaum entglommen
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Löschen wieder
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Alle Freuden,
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Und der Leiden
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Dunkle Wolke senkt sich nieder.

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Aus den Lichtern in die Nacht,
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Aus den Augen, die mir tagen,
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Die mein ganzes Herz durchlacht,
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Bin ich wieder allen Plagen,
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Dem dürren Leben
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Zurück gegeben.
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Wie flücht'ge Augenblicke
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Mein Glücke!
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Wie lange, lange Dauer
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Der Trennung düstre schwere Trauer! –
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Zurück zu kehren
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Und dich entbehren!

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O als ich dich noch nicht gesehn,
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Da durfte Sehnsucht bei mir seyn,
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Ein Hoffnungswind in meinen Wünschen wehn,
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Die Zukunft war ein heller Schein:
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Jetzt muß ich vom Erinnern kaufen,
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Was ich kaum zerstreut empfand;
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Wieder durch die wüsten Haufen,
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Durch ein unbewohntes Land,
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Soll ich irre, klagend, schweifen,
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Und des Glückes goldne Streifen,
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Auch die letzten, abgewandt.
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Noch fühl' ich deine Hand,
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Noch wie im Traume deine Küsse,
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Noch folgen mir die holden Blicke,
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Und die Empfindung, daß ich alles misse,
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Bleibt bei mir zurücke.

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O Hoffen, Schmachten, Liebesleid und Sehnen,
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Wie dürst' ich nach den süßen Thränen!
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O tröste mich doch, eitles Wähnen,
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So leer du bist, so todt, so nichtig!
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Verlaßt ihr alle mich so flüchtig?

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O Gegenwart, wie bist du schnell!
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Vergangenheit, wie bist du klein!
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O Zukunft, wie wirst du unendlich seyn!
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Unendlich wie am Himmelsbogen
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Die Sterne in die ew'gen Räume steigen,
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So fühl' ich Stunden, Tage, Monden hergezogen,
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Und durch mein tiefstes Seyn das trübe Schweigen,
52
Um mich ein unvergänglich Meer von schwarzen Wogen,
53
Und ach! kein grünes Ufer will sich zeigen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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