Aus den Wolken zieht ein Weben

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Ludwig Tieck: Aus den Wolken zieht ein Weben Titel entspricht 1. Vers(1813)

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Aus den Wolken zieht ein Weben
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Labend über Wälder hin,
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Und es fühlt der Mensch sein Leben,
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Still erwacht sein innrer Sinn.

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Wie der Strom sich niedersenket
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Und die Süße von sich giebt,
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Wird die matte Brust getränket,
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Und sie fühlet, daß sie liebt.

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Durch die weiten Sternenräume
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Dringt der liebevolle Sinn,
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Und wie Engel steigen Träume
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Auf der Leiter her und hin.

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Ferne glimmt auf goldnen Bahnen
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Noch ein heller Funke schön,
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Und ein sehnsuchtvolles Ahnen
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Will zur Lichtesblüthe gehn.

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Berg und Waldung, Strom und Fluren
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Thaun als Wolke um ihn her,
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Ausgelöscht sind alle Spuren,
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Er vergeht im wüsten Meer.

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Und kein Halt will ihm erscheinen,
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Alles flieht und zieht so weit,
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Alle Quellen fühlt er weinen,
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Einsam steht er in der Zeit.

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Ach, wo bleiben meine Freuden,
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Die Gespielen meiner Lust?
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Wollt ihr alle mich vermeiden?
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Klagt er, und verschließt die Brust.

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Alles will um mich zerrinnen,
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Mir entfliehet die Gestalt,
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Steigt in meine tiefsten Sinnen
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Schon die Hölle schwarz und kalt.

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Alles, was mir freundlich blühte,
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Ist in sich zurück geflohn,
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Was mein Busen kindlich glühte;
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Ausgelöscht ist jeder Ton.

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Wo ich ehemals gelüstend
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Ordnung und die Liebe sah,
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Steht das Chaos jetzt verwüstend
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Meiner bangen Seele nah.

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Fern und ferner zieht das Sehnen
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Der entflohnen Liebe nach,
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Kaum geblieben sind die Thränen,
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Noch des Busens tiefes Ach! –

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Und er wend't sich mit den Blicken
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In die schwarze Wolkennacht,
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In der Finstre wird ein Zücken
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Wie ein Blitzen angefacht.

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Und aus den Gewändern dunkel,
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Aus den Wolken, Berg und Wald,
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Schaut mit heimlichem Gefunkel
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Zu ihm her ein Auge bald.

53
Und sein Herze wird ein Blicken
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In des Auges ew'ges Bild,
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Nichts kann ihm den Wink entrücken,
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Alle Sehnsucht ist gestillt.

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Nun ist ihm die Welt entschwunden,
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Ewig blickt das Auge süß,
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Dessen Locken er empfunden,
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Und sein Herz ist ihm gewiß.

61
Dieser fragt nach keinen Künsten,
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Die ihm Welt und Zeit verheißt,
63
Er verschmacht't in Liebesbrünsten,
64
Und in Gott entfleußt der Geist.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Tieck
(17731853)

* 31.05.1773 in Berlin, † 28.04.1853 in Berlin

männlich, geb. Tieck

deutscher Dichter, Schriftsteller, Herausgeber und Übersetzer der Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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