Elisas Geburtstag

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Friedrich von Matthisson: Elisas Geburtstag (1779)

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Dein gedenk' ich, o Freundin, mit Thränen des Danks und der Freude,
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Dein mit Gefühlen der Ruh',
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Hier auf dem schwellenden Rasen, beschattet vom blühenden Kirschbaum,
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Wo, bei der Nachtigall Lied,
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Jüngst dein weinendes Auge sich hellte, wo uns des Abends
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Freundlicher Schimmer umfloß,
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Ach! und begrüsse mit Himmelsempfindung den Morgen des Tages
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Welcher der Erde dich gab.
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Ruhig fliesse mein Lied und sanft, wie dein Leben, du Edle,
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Wenn, am errungenen Ziel,
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Einst die lohnende Mirthe dich kränzt und die Liebe zum Eden
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Dir deine Pfade verschönt.
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Als die erste Freudenthräne der redlichen Mutter
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Ueber die Wange dir rann,
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Als zum erstenmal ihr Arm, mit süsser Entzückung,
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Um die Erflehte sich schlang:
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Siehe! da tönte das Lied der Engel aus leuchtenden Wolken,
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Dich zu begrüssen, herab!
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Schwester nannten sie dich und Bürgerin seliger Welten,
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Weihten der Unschuld dein Herz,
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Stimmten zum lautersten Einklang mit Gottes Natur deine Seele,
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Gossen für Alles, was groß
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Gut und erhaben und schön ist, dir Flammengefühl in den Busen,
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Bildeten sorgsam den Keim
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Zum beglückenden Wonnegedanken: daß Freundschaft und Liebe
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Jenseits der Grüfte noch blühn.
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Also begannen die Söhne des Lichtes, vereint mit der Harfe
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Bebendem Silbergetön:
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»schwesterseele, willkommen auf Erden, holdseliges Mädchen,
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Sei uns mit Wonne gegrüßt!
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Sanft umwölkt sich dein Auge voll Unschuld am Busen der Mutter;
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Ahndet, Geliebte, dein Herz
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Schon in der Morgenröthe des Lebens die Stürme des Mittags?
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Zittert ein dämmernd Gefühl
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Jener nächtlichen Tage des hofnungslosen Ermattens,
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Unter der beugenden Last
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Unverschuldeter Schmerzen der Zukunft, dir bang durch die Seele?
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Dornicht und rauh ist der Pfad,
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Den die ewige Liebe dich leiten wird, aber am Ausgang
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Schimmert die Krone des Lohns.
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Unschuld, Einfalt und Liebe, und jede gefällige Tugend
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Schmücke, Geliebte, dich einst!
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Dann wird voll Hofnung und Ruh' und siegender Kraft, deine Seele
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Mitten im Thale der Nacht,
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Wo kein leitendes Sternchen dir funkelt, die Vaterhand segnen
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Welche durch Wüsten dich führt.
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Darum wandle voll göttlichen Friedens der Zukunft entgegen!
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Eh' noch dein Mittag sich neigt,
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Wird der Stürme Getümmel in Hauche des Frühlings sich wandeln,
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Wird deines irdischen Laufs
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Blumenumduftete Bahn in rosige Schimmer sich kleiden,
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Und, in Gefilden der Ruh',
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Dir dein Leben, durch jedes Entzücken der Tugend verherrlicht,
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Heiter und lächelnd entflieh'n.
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Eile, wir flehen voll Sehnsucht, o eil' im Wechsel der Jahre,
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Selige, selige Zeit!
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Schwesterseele, willkommen auf Erden, holdseliges Mädchen,
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Sei uns mit Wonne gegrüßt!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Matthisson
(17611831)

* 23.01.1761 in Hohendodeleben, † 12.03.1831 in Wörlitz

männlich

deutscher Lyriker und Prosaschriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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