109
Da schrie und rief die tiefe Stimm,
110
Wohl bei dem Feuer-Thron mit Grimm:
111
Der jüngste Tag wird sich bald finden,
112
Solches verkündge den Menschenkindern;
113
Mann und Weib, dem thu ichs klagen,
114
Was ich in meinem Herzen thu tragen;
115
Ich eß oder trink, ich schlaf oder wach,
116
Oder was ich auf Erden mach,
117
So kommet mir nimmer aus meinen Ohrn,
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Das greulich und grimmige Horn,
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Das da thönet ohne massen Grimm,
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Und schreit mit erschrecklicher Stimm:
121
Steht auf ihr todten Leut,
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Zu dem Gericht Gottes müßt ihr heut;
123
Die Posaune die Todten auferweckt,
124
Und auch die ganze Welt erschreckt.
125
Nun höret zu, was ich euch sag,
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Es kommen vorher funfzehn Tag,
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An dem ersten Tag, da fang ich an:
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Die Wasser lassen ihr laufen stahn,
129
Sie rinnen nicht mehr über Land,
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Sie lehnen auf wie eine Wand,
131
Sie thun gar gräulich sausen,
132
Daß mans in der ganzen Welt hört brausen.
133
Darnach wohl an dem andern Tag
134
Nach der lieben heiligen Sag,
135
So kommen die Wasser wieder hernieder,
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Daß man sie kaum siehet wieder,
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Ja daß man sie kaum gesehen mag.
138
O weh, wie jämmerlicher Tag.
139
Der dritte Tag ist so grimm,
140
Die Fisch im Meer schreien mit lauter Stimm,
141
Und gar jämmerlich schreien alle Meerwunder,
142
Doch ein jeder in seiner Art besunder;
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Also hart klagen sie ihre Noth,
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Daß sie müssen leiden den Tod.
145
Der vierte und jämmerliche Tag,
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Und höret zu, was ich euch sag,
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So muß die Welt groß Leid gewinnen,
148
Wenn sie thut sehen das Wasser brinnen,
149
Und das ganze Erdreich zumal,
150
Da ist grosser Jammer überall.
151
Der fünfte Tag gar greulichen thut,
152
Alles Laub und Gras, das schwitzet Blut,
153
Das Laub wohl an den Aesten rinnt,
154
Wer das ansieht groß Leid gewinnt,
155
Das Erdreich wird von Blut so roth,
156
Das mag wohl seyn ein grosse Noth.
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Darnach kommt der sechste Tag,
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Und bringet mit sich ein greulich Klag,
159
Haus und Hof niederfällt,
160
Wie fest es auf Erden war gestellt;
161
Doch fällt alles nieder zu der Erd,
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Silber und Gold wird seyn gar unwerth.
163
Der siebente Tag gar greulich ist,
164
Ein grausam Geschrey hört man zur Frist,
165
Ein Stein thut sich am andern schlagen,
166
Daß die Leut schier mögten verzagen;
167
Wer dann lebt, der muß alten,
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Wenn er sieht die Stein verspalten.
169
Der achte Tag, vernehmt mich wohl,
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Gar greulich Wunder bringen soll,
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Der grossen Erdbeben kommen so fast,
172
Daß weder Menschen noch Vieh hat Rast.
173
Es fällt alles nieder zu der Stund,
174
Und spricht: O weh, der Tod kummt!
175
Der neunte Tag läßt nichtes stahn,
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Alle Berg und Hügel müssen sich niederlahn,
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Die grausamen, hohen Berge überall,
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Die fallen hernieder in das Thal,
179
Und wird das Erdreich ganz eben,
180
O wie bitter wird seyn das Leben.
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Der zehnte Tag kommt bitterlich,
182
Die Leut schreien gar jämmerlich,
183
Die sich in Klüften haben verborgen,
184
Die kommen hervor mit grossen Sorgen;
185
Ihr keiner schier mehr reden mag,
186
Also sehr fürchten sie den jüngsten Tag.
187
Der eilfte Tag kommt gar klärlich,
188
Die Todtenbein erzeigen sich,
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Vor dem Grab sieht man sie liegen,
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Das soll euch nicht seyn verschwiegen;
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Wann die lebendigen Leut das sehen,
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Vor grosser Angst sie dann vergehen.
193
Der zwölfte Tag thut so grausam wallen,
194
Dann sieht man die Stern vom Himmel fallen;
195
Und fliehen durch die ganze Welt zumal,
196
Da ist groß Jammer überall.
197
An dem dreyzehnten und schrecklichen Tag,
198
Nun höret zu, was ich euch sag,
199
Daran müssen alle Menschen sterben,
200
Die kommen sind aus dieser Erden,
201
Daß sie von dem Tod auferstehen,
202
Und sämmtlich vor den Richter gehen.
203
Der vierzehnte Tag gar greulich ist,
204
Davon verbrennt die Welt in kurzer Frist,
205
Luft, Wasser und Erdreich, alles da brinnt,
206
Und überaus groß Leid gewinnt;
207
Denn alles, was gemacht ist aus der Erden,
208
Muß wieder zu Staub und Aschen werden.
209
Am funfzehnten Tag, das ist wahr,
210
Da wird eine neue Welt gar schön und klar,
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Alsdann müssen alle Menschen auferstehen aus dem Grab,
212
Wovon uns die heilige Schrift klar Zeugniß gab;
213
Der Engel mit dem grossen Zorn,
214
Ruft allen Menschen durch das Horn!