Goldarbeiten auf dem Liebesbande

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Ludwig Achim von Arnim: Goldarbeiten auf dem Liebesbande (1806)

1
Ich wollt um meines Herren Haupt,
2
Das ganz von Dornen war umschraubt,
3
Ein Kronenband von Golde binden;
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Das sollte meine Liebe seyn,
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Da braucht ich nun ein Schmelzwerk drein,
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Das wußt ich nirgends aufzufinden;
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Doch traf mein Geist auf guter Bahn
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Noch endlich einen Goldschmied an.

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Der legte mir zu dieser Zier
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Der Muster eine Menge für;
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Ich wählt und weiß es noch zu nennen,
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Ein Haupt, darauf man Balsam goß,
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Der auch davon herunter floß,
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Doch, daß der Leib nicht wohl zu kennen;
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Dabei war dies die Nebenschrift:
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Wohl dem, den dieser Balsam trift.

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Zum andern ward mir vorgelegt
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Ein Oehlbaum, den man abgesägt,
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Und frisch mit Reisern übersetzet;
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Dabei ein alter Gärtner stund,
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Von dem der ungehackte Grund
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Mit Wasser ward umher benetzet;
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Und schiens, als sagte dieser Greis:
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Wohl dem, der hier steht, wie ein Reis.

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Drauf legt er einen Weinstock dar,
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Der voller grüner Reben war,
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Die theils mit Trauben angefüllet,
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Theils aber stunden nur zum Schein,
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Und schnitt der Gärtner frisch darein,
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Wo solches Laub den Stock verhüllet;
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Sein Wort schien dies zu jeder Frist:
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Weg, was kein fruchtbar Reben ist.

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Das vierte war ein weisses Kleid,
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Ein Sinnbild der Gerechtigkeit,
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Mit Christi Werken ausgesticket;
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Das gab ein Vater anzuziehn,
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Der Sohn warf seinen Kittel hin,
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Der ganz mit Flicken zugestücket;
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Und wie es schien, fing dieser an:
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Wohl, wenn ich mich so kleiden kann.

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Drauf kam mir vor ein Waizenfeld,
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Das große Bild der Christenwelt,
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Mit Unkraut hin und her besprenget;
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Da stand ein hurtger Ackermann,
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Und schlug mit seiner Sichel an,
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Wiewohl der Acker so gemenget;
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Doch schiens, als spräch er dies darein:
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Wohl dem, der hier kann Waizen sä'n.

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Und was zum sechsten vor uns kam,
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Das war ein edler Bräutigam,
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Mit Hochzeitkleidern ausgeschmücket;
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Der bot der Braut die Liebeshand,
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Die war in reiner Lieb entbrannt,
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Und schaut auf ihn, wie halb entzücket;
55
Vom Himmel gab es diesen Laut:
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Wie selig ist des Höchsten Braut.

57
Darauf kam mir ein Schäfer für,
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Zwar schlecht von Kleid und sonder Zier,
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Doch lag ein Schaf auf seinem Rücken;
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Das schien, als hätt ers aus der Nacht
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Und aus der Irr auch heimgebracht,
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Und wollt es bei der Heerd erquicken;
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Dabei dies Wort gelesen ward:
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Wohl, wenn man hat des Schäfleins Art.

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Zum achten zog in einem Kahn
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Ein Schiffer seinen Zug heran,
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Als wollt er nun das Netz ausleeren;
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Da sah man Fisch und Koth und Stein
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In einem Garn ergriffen seyn,
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Das fing er gleich an umzukehren;
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Und mischte diesen Spruch darein:
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Wohl dem, der wie ein Fisch kann seyn.

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Drauf sah ich, wie Metall da floß,
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Das einer in die Forme goß,
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Ein Crucifix daraus zu giessen,
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Das im Modell darneben stund;
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Wie da der Herr für unsern Bund
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Sein Blut ließ, wie die Ströme fliessen;
79
Darüber stand dies Wort erhöht:
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Wohl, wer in dieser Forme steht.

81
Zum zehnten war da ein Spital,
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Und Kranken drinnen ohne Zahl,
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Und wollt ein Arzt zu ihnen treten,
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Den liessen viel von ferne stehn,
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Zu einem schien er hinzugehn,
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Der ihn zuvor mit Ernst gebeten;
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Dabei ward dies mit angeführt:
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Wohl dem, den dieser Arzt kurirt.

89
Daraus mach ich mein Liebesband,
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Und bring es als mein Seelenpfand,
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Und ehre dich mit diesem Namen:
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Herr, dessen Schrift dies selbst erdacht,
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Sey dies für mich, was ich dir bracht,
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Und sprich zu allem selbst das Amen;
95
So werd ich sonder Bild und Schein
96
In dir wahrhaftig selig seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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