Bergreihen

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Ludwig Achim von Arnim: Bergreihen (1806)

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Ach Gott, was wollen wir aber heben an,
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Daß wir das recht und wohl ersinnen,
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Wir wollens auch nicht unterwegen lahn,
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Von den Hauern da wollen wir singen,
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Sie hauen das Silber, das Gold mit Fleis,
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Sogar aus festem Gesteine,
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Gott weiß wohl wo es liegt.

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Ein Hauer in die Grube fuhr,
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Aus frischem freiem Muthe,
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Man sieht wohl, daß er Eisen führt,
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Darum gewinnt ihr das Gute,
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Wenn er kömmt wieder wohl auf sein Ort,
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Wenn er an Gott gedenkt,
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So ist er fein wohl behüt.

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Wenn er nun sizt und will bestechen,
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Die ganze Woche so sehr,
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Hilf lieber Gott, das Erz woll brechen,
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Wir ringen ja fast nach Erze,
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Gott hat es nur selber verriegelt gar schon,
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Für manchen gar verschlossen,
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Es bauet mancher Mann über das Jahr.
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Er wird des gar hart verdrossen,
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Gott will es uns wieder aufriegeln gar schön,
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Der Hauer mit seinen Händen,
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Er getraut des zu genießen zwar,
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Wenn uns nun Gott ein Glück gäb,
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Daß wir das Erz begreifen,
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Unser Lob steht auf dem Bergwerk so breit,
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Wir achten keines harten Reifes,
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Wir sitzen gar gern bei gutem Getränk,
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Wies Menschenbild geneusset,
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Der Malvasier oder Rheinische Wein,
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Den trinken gar gerne die Reichen.
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Wenn nun die Hauer kommen dar,
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Wenn uns die Herren erkennen,
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Unser Lob, das preiset man gar,
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Herr Wirth, die Stube ist uns viel zu enge,
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Auch rücken wir Tische und Bänke,
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Wir begießen das Flötz recht überall,
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Sieht man die Äuglein herwanken,
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Dazu kommen uns die Fiedler dar,
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Man hört die Saiten klingen,
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Dazu die werthen Pfeifferlein gut,
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Man sieht die Hauer herspringen,
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Dazu die Jungfräulein säuberlich,
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Sie tragen rosenfarbe Mündlein,
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Ihre Wänglein sind Lilien weis,
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Der gewaltige Münzerhof ist uns viel zu enge,
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Darauf wir das Silber bringen,
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Merkt auf ihr werthen Münzer gut,
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Helft mir die Hauer erkennen,
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Sie hauen das Silber aus der alten Wand,
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Die Gott der Herr selber gebauet hat,
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Mit seiner selbst Gewalt.
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Auf dem Berg findet man,
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Manchen guten Berggesellen,
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Der wohl des Bergs geneusset,
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Wo findet man denn einen bessern Berg,
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Da uns das Silber rausfleusset,
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Damit so preisen wir St. Annaberg,
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Er ist geziert also schön,
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Man lobt ihn in aller Welt,
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Damit so preisen wir St. Joachims Thal,
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Er ist geziert also schön,
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Man singet ihn in der Hauer Thon,
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Damit so preisen wir dem Kaiser seine Kron,
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Sie ist geziert also schon,
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Man singet sie in der Hauer Thon.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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