Evoe

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Ludwig Achim von Arnim: Evoe (1806)

1
Freut euch ihr lieben Knaben!
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Der Herbst erzeigt sich wohl,
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Die lang getrauert haben,
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Heut wollen wir werden voll.
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Wir haben vormals den sauren Wein
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Gar theuer genommen an,
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Das wollen wir heute bringen ein,
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Der süße Most, der neue Wein,
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Wird uns gar gern eingahn.

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Was wir versäumet haben,
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Das machen wir nun gleich,
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Mit Wein wollen wir uns laben
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Hier und in Oesterreich,
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In einer neuen Krausen
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Wollen wir ihn nehmen an,
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Ob ihm soll uns nit grausen,
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Bis uns der Kopf thut sausen,
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Nit eh gehn wir davon.

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In einem Keller tiefe,
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Wollen wir uns senken ein;
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Darnach dem Wirthsknecht rufen:
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Trag her ein kühlen Wein!
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Von dir wollen wir nit weichen,
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Bis daß wir werden voll,
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Laß uns nur Wein herreichen,
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Gesellen, ich will euch zeigen,
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Der Wein thut was er soll.

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Wirthsknecht, nun merk uns eben,
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Was unser Meinung sey,
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Kein Pfenning wir dir geben,
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Du bringst uns dann herbey
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Ein guten feisten Braten,
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Den wollen wir gern haben,
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Wir mögen sein nicht gerathen,
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Eine gute Henne gesotten,
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Die fügt wohl solchen Knaben.

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Ein Bergwerk haben wir funden
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Das macht uns heut noch reich,
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Das bringt uns Freud und Wonne,
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Zu Wien in Oesterreich,
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Da finden wir aufgeschlagen
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Gar manche Grube fein,
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Da füllen wir unsern Kragen,
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Den Bauch und auch den Magen
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Wohl bei dem Osterwein.

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Wohl auf ihr lieben Gesellen,
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Wohl in das Bergwerk ein,
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Die alle Morgen wöllen
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Trinken gut Wermuthwein,
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Das sind die rechten Gesellen,
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Die in das Bergwerk fahrn,
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Es sind die rechten Knappen,
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Sie sitzen in einer Kappen,
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Gott woll sie all bewahrn.

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Den Herren allen gleiche,
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Wünsch ich viel Glück und Heil,
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Die heut von Oesterreiche
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Bringen ein rechtes Theil
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Des Erzes aus der Grube,
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Die Noe funden hat,
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Sie erfreut gar manchen Buben,
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Um Sorg gäb er kein Ruben,
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Sein Herz in Freuden staht.

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Wir haben uns vermessen,
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Gut Gesellen allgemein,
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Wir sollen nit vergessen
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Der Fuhrleut groß und klein,
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Die in das Elsas fahren,
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Und bringen rheinschen Wein,
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Ihr Lob wolln wir nit sparen,
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Gott woll sie all bewahren,
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Maria die Königein.

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Dazu die Franken alle,
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Die bauen guten Wein,
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Gott grüß sie mit reichem Schalle,
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Ihr Lob das ist nit klein,
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Dazu die Fuhrleut gute,
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All die gen Frankfurt fahrn,
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Gott habs in seiner Hute,
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Maria die viel gute
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Woll sie allzeit bewahrn.

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Im Wirthshaus ist gut leben,
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Wenn kömmt der heurig Wein,
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Da wollen wir dann streben,
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Und wollen fröhlich sein,
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Bratwürst, jung Schwein und Hahnen
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Soll man uns tragen her,
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Und andre Gericht und Nahmen
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So kommen wir zusammen
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All voll und selten leer.

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Reich' Würfel her und Karten,
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Ein Bretspiel wolln wir han,
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So mögen wir erwarten,
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Den nüchtern Morgenhahn,
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Dann wollen wir noch haben
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Ein guten Salvewein,
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Damit wir uns erlaben,
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Gott behüt die frommen Knaben,
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Die stets voll wollen seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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