Trinklied

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Ludwig Achim von Arnim: Trinklied (1806)

1
Der edle Wein
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Ist doch der beste Schieferdecker,
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Sein schiefer Schein
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Macht alle Menschen etwas kecker,
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Ich wundre mich,
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Daß er so klettern kann und steigen,
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Und macht daß sich
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Die großen Häupter vor ihm neigen.

9
Der muntre Trank
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Kann ohne Leiter weiter kommen,
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Wenn er so blank
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Die Stirnenburg hat eingenommen,
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Als mancher, der
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Mit Hülfe sich hinan will bringen,
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Und ohn Gefahr
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Die Hälfte noch weiß zu erzwingen.
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Drum bleibts dabey,
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Er hegt ein recht vergöttert Leben,
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Weil er so frey
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Kann in die Lüfte schweben.
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Und wenn wir ihn
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In unsre hohlen Hälse lassen
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Mit Pracht einziehn,
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Empfinden wir ihn gleichermassen.

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Dann manches Haus,
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So schwer es sonst auf Säulen stehet,
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Fährt mit hinaus,
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Es merket, daß es leichter gehet,
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Sobald der Wein
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Durch seine Pfort ist eingezogen,
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So stimmt es ein,
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Und meint es sey schon hochgeflogen.

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Wenn dies geschicht,
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So könnte doch kein Haus bestehen,
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Wenn Morpheus nicht,
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Der Baukunst an die Hand zu gehen,
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Vor andren wär
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Erfahren und so weit gekommen,
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Daß ihm die Ehr
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Von Sterblichen noch nie genommen.

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Dann wenn der Wein
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Aufleget gar zu schwere Dächer,
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So muß es seyn,
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Daß sie beschweren die Gemächer,
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Macht er Verdruß,
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So mag er Schieferdecker bleiben,
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Dach Morpheus muß
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Den Bau erhalten und forttreiben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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