Construction der Welt

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Ludwig Achim von Arnim: Construction der Welt (1806)

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Als Gott die Welt erschaffen
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Und allerhand Gethier,
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Konnt er nicht ruhig schlafen,
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Er hat noch etwas für;
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Wann nur ein Mensch auf Erden,
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Dacht er in seinem Sinn,
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Die Welt muß voller werden,
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Es sey noch etwas drinn.

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Dem könnt wohl alles nutzen
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So schön gemacht voraus,
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Drauf nahm er einen Butzen
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Und macht ein Männlein draus;
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Er schnipt ihn in die Höhe,
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Blies ihn ein bissel an,
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Da sah er vor sich stehen
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Adam! den ersten Mann.

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Der Stein, wo Adam saße,
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Der war sehr kalt und naß,
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Es fror ihn ans Gesaße,
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Drum legt er sich ins Gras;
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Gott Vater schaut vom Himmel,
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Und schaut dem Adam zu,
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Gedacht bey sich schon immer:
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Was macht mein grosser Bu?

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Ich darf ihn ja nicht schlagen,
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Es ist ein jung frisch Blut,
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Ein Weib muß ich ihm schaffen,
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Sonst thut er mir kein gut.
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Dann kommt er hergeschlichen,
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Daß mans konnt merken schier,
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Fein geschwind nahm er ein Rippe,
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Aus Adams Seit herfür.

33
Adam, der thut erwachen,
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Und hat das Ding gespürt,
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Es war ihm nicht ums Lachen,
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Drum er so heftig schrie:
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O Herr! Wo ist mein Rippen?
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Ich bin kein ganzer Mann,
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Wann ich daran will dippen,
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So ist kein Ripp mehr da.

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Adam sey nur zufrieden,
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Schlaf fort in guter Ruh,
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Vor Schaden dich will b'hüten,
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Ich stell dirs wiedrum zu.
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Ein Weib will ich draus machen,
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Ein wunderliches Thier,
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Du sollst mir drüber lachen,
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Schau gschwind, da stehts schon hier!

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Kannst du so schöne Sachen
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O lieber Gott und Herr!
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Aus meinen Rippen machen,
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So nimm der Rippen mehr;
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Komm her mein liebe Rippe,
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Sey tausendmal willkomm,
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Geh hin und nimm die Schippe,
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Und grab die Erd herum.

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Eins will ich euch noch sagen,
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Den Baum laßt mir mit Fried,
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Die Frucht so er thut tragen
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Sollt ihr verkosten nit.
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Ihr sollt des Tods gleich sterben,
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Zum Garten naus gejagt,
63
Ins Elend und Verderben,
64
Zum Garten naus gejagt.

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Ach Gott, was schöne Aepfel,
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So roth als wie ein Blut,
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Sie wär'n recht in mein Kröpfel,
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Ich glaub sie seynd recht gut!
69
Bräucht nicht lang zu studieren,
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Könnt bald ein Doktor seyn;
71
Bräucht nicht lang zu studieren,
72
Könnt bald ein Doktor seyn.

73
Darauf die Schlang sich krümmet
74
An die verbotne Frucht,
75
Anbey ganz lieblich singet:
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Glaubt nicht daß dieser Fluch
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An euch erfüllt soll werden,
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Viel lieber wird euch seyn
79
Das Leben hier auf Erden,
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Wie Götter könnt ihr seyn.

81
Mit Gott das laß du bleiben,
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Fangst schöne Händel an,
83
Er ist im Stand, thut treiben
84
Uns gleich zum Garten naus.
85
Adam wo bist hinkrochen?
86
O weh er ruft uns schon;
87
Adam wo bist hinkrochen?
88
O weh er ruft uns schon.

89
O Herr! thut mich verschonen,
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Ich kann ja nichts dafür,
91
Die Rippe hats gethan,
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Die Schlang hat uns verführt.
93
Die Schlang hat uns versprochen,
94
Wir könnten was bessers seyn,
95
Drauf dachten wir wolltens wagen,
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Und haben halt bissen drein.

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Kriech mit mir unters Gebüsche,
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Geschwind laßt uns bedecken,
99
Sonst thut er uns erwischen,
100
Wann er herein thut treten.
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Adam wo bist hingangen?
102
O weh! er ruft uns schon!
103
Adam wo bist hingangen?
104
O weh! er ruft uns schon!

105
Untreues Lumpeng'sindel,
106
Wie übel habt ihr g'haußt;
107
Geschwind macht euren Bündel.
108
Packt euch zum Garten naus;
109
In Arbeit sollst du schwitzen,
110
Weil dieses hast gethan,
111
Und bey dem Rocken sitzen,
112
Das ist der Sünden Lohn.

113
Die Eva wollt nicht gehen,
114
Die rief sich ihren Mann,
115
Der wollt ihr nicht beystehen,
116
Da gieng das Zanken an. –
117
Jezt wird das größte Wetter
118
Um meinen Hals hergehn,
119
Hätt ich das alte Leder
120
Mein Lebtag nicht gesehn!

121
Zu Fuß sollst du nicht laufen,
122
Ich sags bey meiner Treu,
123
Was Schöns will ich dir kaufen,
124
Wenn Kirchweih kommt herbey.
125
Und kriegst du mir erst Kinder,
126
Wohl übers Jahr hinaus,
127
So wasch ich dir die Windel
128
Und kehr die Stuben aus.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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