Graf Friedrich

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Ludwig Achim von Arnim: Graf Friedrich (1806)

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Grof Friederich wötti
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Si Mutterli wär nit z'friede.
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Thut ihm de Dege fege
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Mit lauter Gift und Schwebel.
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Graf Friederich wött usrite
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Mit vielen Edellüte,
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Wött hole sei liebi Braut
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Wonihm zur Eh' wär vertraut. –
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Er wurd gedrungen e' böse Weg.
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Do schießt us der Scheid si' glänzig Schwerdt,
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Siner liebe Braut in rechte Fuß.
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»izt weiß ih daß sie sterbe muß!« –
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Bald zug er aus si Hemdli weiß
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Er drukt es in die Wunde mit Fleiß.
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Das Hemdli war vom Blut so roth
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Als ob mes drinn gewasche hätt.
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Und doner in de' Hof nei ritt
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Si Mutter ihm entgege schritt; –
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»bis mir Gottwillche Sohn dahai!
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Mit deinem bleiche Bräuteley! –
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Wie ist doch deine Braut so bleicht
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Als ob siene Kindli hätt gesäugt,
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Wie sieht sie nit so höniglich
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Als ob sie gar scho schwanger ist.«
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»nu stille mi Mutterli stille! –
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Sie red't's nit us Uwille! –
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Sie ist Kindshalbe nit ugsund,
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Sie ist bis auf de Tod verwundt.« –
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Sie führet die Braut zum Tisch,
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Bringet ihr viel Brät und Fisch,
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Sie schenket ihr i vom beste Wi,
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Das Bräutli möcht nit lustig sy;
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Möcht weder trinke noch esse,
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Ihres Unmuths nit vergesse.
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Sie sprach, sie wöll's zuner andern Zeit.
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Als ihrene Bettli wär bereit.
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Sie führet die Braut zu Bettli,
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Vor Unmuth sie nit redti.
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Mit Lichter und mit Leuchter
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Mit lauter Edelleute.
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Sie führet die Braut ge schlofe
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Mit Reuter und mit Grofe;
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Mit brennede Kirze und Fakle gut,
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Die Braut ist krank, ist übel zu muth.
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»gemahli lieb Gemahli und Schatz,
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Ih bitt eu um en einziges Gsatz,
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Hab ih eu tödtli verwunde könnt,
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Verzeihet mer das vor eurem End!«
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»gemahl, lieber Gemahl und Herr!
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Bekümmeret eu do nit so sehr,
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Es ist eu alles verziehe scho,
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Nix Arges habet ihr mir getho.
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Gemahl lieber Gemahl lond mi
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Heut Nächte none Jungfrau sy.
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Und diese Nacht alleini
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Und fürderhi me keini! –
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So lang mir Gott wills Lebe lo',
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Für dos bin ih eu untertho. –«
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– – – – – – – – – – – – – –
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– – – – – – – – – – – – – –
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Sie kehrt si' gegen d' Wände,
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Izt fallt sie schon ins Ende.
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In Gott hätt sie ihrs Lebe frey.
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Ist bliebe au e Jungfrau rei'.
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Und wurd am Morge begrabe.
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Ihr Vater wött sie begabe,
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Hätt gmeint er käm zu einer Hochzeit
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Izt kommt er zu einer Todenleich.
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Der Vater erfraget alli Umständ,
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Wie sie hai gnommen e seligs End.
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Grof Friedrich sprach: »Ih armer Ma,
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Vor Gott ist Klage, bi schuldig dara!«
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Der Vater sprach in wilder Wuth:
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»hast du verursacht ihr unschuldigs Blut,
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So mußt du au darum aufgebe
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Durch mei Hand dei jugendlich Lebe.«
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Er zog wohl us sei glänziges Schwerdt
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Und stichts dem adeliche Grofe durs Herz,
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Mit grosser Gwalt dur seinen Leib,
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Bis daß er tod auf der Erde leit.
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Sie vergrabet d Braut uf das veste Schloß,
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Grof Friedrich in e tiefes Moos.
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Dahin man seinen Leib vergrub,
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Allda es kürzlich zu blühen erhub.
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Und dones wär am dritte Tag
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So wachset drey Lilie uf sim Grab.
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Darinne stund geschriebe,
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Bey Gott sey er gebliebe.
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Sie nemmet Grof Friedrich us dem Moos,
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Sie führet ihn uf sei vestes Schloß,
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Zu seiner Braut man ihn vergrub,
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Und kürzlich zu blühe das erhub,
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Er ist de dritte Tag scho todt,
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Er blühet wie'ne Rose roth,
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Ein grosses Wunder au geschah,
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Das menger Mensch glaubhaftig sah.
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Mit weissen Armen er sie umfieng,
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Ein Red' us seinem Munde gieng:
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»ih danke eu ihr liebe Leut,
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Daß ihr mi zu meim Schaz geleit;
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Weil ih by meiner Buhle by
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Fahr ih us dieser Welt dahi,
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Mit leichter und mit ringer Gemüth
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Laß ih dahinde mein uschuldig Geblüt,
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Ih fahr us dieser Welt dahi
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Us aller Noth erlediget bi.« –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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