1
Weiß mir e Herr, hätt siebe Süh
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Und nune einzig Töchterli.
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Der Herre stellt e Gastmal a,
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Er ladt viel fremdi Herre dra.
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Er ladt viel fremdi Herre ni,
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De König us Mailand au darbi.
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Di Tochter hät e Haar, ist gelber weder Gold,
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Darum wird ihre der König us Mailand hold,
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Das Mägdli wölt ge schlafe go,
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Tritt ihr der König us Mailand no,
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Und doner hot sie Wille getho,
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Sizt er ufs Ross, und ritt darvo.
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In vierzig Woche will er wider ko.
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Die vierzig Woche sind umme,
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Der König ist nie kumme.
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Dem Mägdli wurds im Siteli weh
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Zu einem kleine Kindele.
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»ach! Bruder! liebe Bruder mi!
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Erlaub du mir di Kämmerli!
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Erlaub mir di Schlofgade,
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Klei Kindli mueni habe!« –
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»ach Schwester, liebi Schwester mi!
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Schlafkämmerli soll di eige sy;
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Ih will dir ge' viel Gut und Geld
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Bring du di Kindli recht uf d' Welt.«
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»ach Bruder liebe Bruder mi!
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Und hätti numme ne Wiber dry!« –
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»ach Schwester liebi Schwester mi,
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D' Wiber müend gli vorhande sy.« –
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Und do das Kind gebohre war,
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Die eine zu der andere sprach:
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»das Kind ist hübsch und minniglich
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Es sieht dem König us Mailand glich.«
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Erloset de Reden en Ende.
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Sprung dür die Stege uf und ab,
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Bis daß sie zus Mägdlis Vater kam.
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»hänt aister gesproche eui Tochter sey fromm,
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Izt hätt sie gebohre en junge Sohn.
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Und wär' die Tochter eu wie mi,
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Die Red' muß uns verschwiege sy;
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Das Kind ist wüest und grüsiglich
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Es sieht em leidige Teufel glich.« –
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Der Vater fiel in e grosse Zorn,
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Er sprung wohl uf die Mure
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Ruft alle sine Nachbure:
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»nachbure, liebi Nachbure mi,
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Müend mir e Galge mure;
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Dra mue mi Tochter verfuhle.
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Ih will sie lasse hänke,
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Ihr' junge Soh vertränke.« –
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Erloset de Reden en Ende.
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Erloset von Anfang bis zum End
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Bis ihm sini Aeugli Wasser gend.
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»ach! Schwester! Liebi Schwester mi,
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Mir händ e zornigs Väterli;
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Er will di lasse hänke,
59
Din junge Soh vertränke.« –
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Es Mägdli sezt sie uf im Bett
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Es heischt Dinte und Federe her,
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Es thut e Briefli schreibe
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Sim Herre in Mailand ine.
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»ach! Bruder, liebe Bruder mi
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Hätt ih e kleines Böthemli,
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Müeßt mir es Briefli trage
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Mim Herre in Mailand sage.« –
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»lieb Schwester, liebi Schwester mi,
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Das Böthemli will ih selber sy,
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Will dir das Briefli trage,
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Dim Herre in Mailand sage.« –
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Doner is Mailand ine kam
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Er so zu selbigem Diener sprach:
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»ach Diener, liebe Diener mi
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Möcht euer Herr dahaime sy?« –
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»o nei! min Herr ist nit dahai,
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Min Herr der ist geritten us
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Umme zarts Jungfräuli us.« –
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Der Both der kehrt sie nit dara,
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Bis er zum Herr in d' Stube tratt, –
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Was zog er us sim Buse? –
82
»sieh hi! sieh hi! min Herre mi,
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Darinn kannst sehe, wer ih bi.« –
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Ehb er das Briefli ganz lese kann
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Die Thräner ihm in d' Schoos aberann.
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»stehnt uf! stehnt uf ihr Ritter uf
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Wir müend an Rhinstrom ritten us;
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Umme zartes Jungfräuli us,
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Und du min liebe Diener mi
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Gang sattle mir mi Pferdeli,
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Und sattle mir das beste Pferd,
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Das unter vierthalb hundert wär.« –
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Und dones war am Frytig früh
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Sie führet das Mägdli us so früh.
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Frumm Mägdli wend sie hänke,
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Sin junge Soh vertränke. –
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Und dones uf die Laiter kam
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Und es de Nachrichter treuli bath:
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»nachrichter, liebe Nachrichter mi –
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O wart du nune kleine Wil,
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Ih ghör e scharfe Reitery,
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Ih hoffs es möcht ein drunter sy,
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Möcht meines Kindlis Vater sy.« –
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Der Nachrichter ist en barmherzige Ma,
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Er warte vierthalb Stunden ab,
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Er wartet vierthalb Stund
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Bis daß die Schaar vo Ritter kumt.
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Er wünschet allen e gute Tag,
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»wen wender so früh versorge? –
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In unserm Land ists nit der Bruch
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Daß mas Wibervolk thut henken uf.«
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Was zog er us sim Buse? –
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Voll Wunder! – Ein schönes Thücheli.
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»sieh hi! sieh hie! Brun Maidli mi!
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Wickle du di kleis Kindli dri!« –
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Was zieht er us si'r Scheide? –
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Voll Wunder! – Ein scbönglänziges Schwerdt,
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Er stach sin Schwägerin uf die Erd.
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»wenn ih den Adel nit niesse möcht,
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So stäch ih min Schwäher wohl uf die Erd.
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Ach! Anni – magsts ritten erlide? –
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Magst zu mir uf mi Pferd stige? –
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Du mußt nu ritte ne halbi Stund
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Bis daß die Gutsche gegen us kunt!«
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»worum wött is Ritte nit besser erlide,
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Als uf de hohe Galgen uf stige!« – –
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Es stoht nit me als e halb Johr a,
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Der König stellt e Gastmahl a. –
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»ach: Anneli, liebs Anneli mi
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Wönmer lode die Väterli au dri?« –
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»o Nei! O Nei! Min Herr o nei!
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Wönd lade mi Väterli nit drei!« –
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»es fliegt e Vögeli nit so hoch
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Es lot sie wieder nieder.
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Wenn scho die Väterli zornig ist,
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Der Zorn, der let sie wieder.«