Das vierte Gebot

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Ludwig Achim von Arnim: Das vierte Gebot (1806)

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Im Land zu Frankereiche
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Ein alter Konig saß,
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Der all sein Land und Reiche
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An seinen Sohn da gab.

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Das war aus Alters Schwäche,
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Daß er sich des verwandt,
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Der Sohn thät ihm versprechen,
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Ich nähre dich zur Hand.

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Der Sohn gar bald sich nahme
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Ein Hausfrau minniglich
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Die war dem Vater grame,
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Sprach also klägelich:

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Der alt Mann thut stets husten,
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Bei Tisch, das graut mir sehr,
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Und nimmt mir Essens Lusten,
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Macht mir die Zunge schwer.

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Der Sohn thät ihren Willen,
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Ließ auch den Vater sein
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Da legen in der Stillen
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Unter die Stiege hinein.

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Ein Bett darinnen stunde,
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Von Heu und auch von Stroh,
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Recht als ein andrer Hunde
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Viel Jahre lag er so.

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Die Konigin thät sich legen,
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Gebahr ein Sohne gut,
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Der ward ein stolzer Degen,
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Und hätt ein frommen Muth.

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Als der die Sach erkannte,
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Bracht er zu aller Stund
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Seim Anherrn Speiß und Tranke,
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Was er nur finden kunt.

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Er bat ihn an eim Tage
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Um eine Roßdeck alt,
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Daß er nit kalt da lage,
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Der fromm Jüngling lief bald.

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Da er zum Roßstall kame,
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Ein Roßdeck, die war gut,
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Er von dem Pferd da nahme,
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Zerriß sie mit Unmuth.

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Sein Vater ihn da fraget:
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Was ihm die Roßdeck thät:
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»ich bring sie halb, er saget
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Deim Vater an sein Bett.
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Das Halbtheil ich behalte
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Für dich, wenn du da ruhst,
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Wo deinen Vater alte,
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Du jezt versperren thust.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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