Albertus Magnus

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Achim von Arnim: Albertus Magnus (1806)

1
Die Königin blickt zum Laden aus,
2
Ein Jüngling stand wohl vor dem Haus,
3
Sie winkt ihm da,
4
Daß er sollt zu ihr kommen.

5
Der Jüngling kam heimlichen dar,
6
Er sprach: Zart edle Fraue klar,
7
Kein Mann soll sich
8
In eurem Dienst versäumen.

9
Da sprach die Königin hochgebohr'n:
10
In meinem Dienst hast du geschwor'n
11
Leibeigen dich,
12
Das sollst du nun erkennen.

13
Dein Willen mach dem Meinen gleich,
14
So wird mein Herz ganz Freudenreich,
15
Lieblich Begier,
16
Die will ich dir bekennen.

17
Er wußt nicht, was sie damit meint,
18
Sie hätt' sich nah mit ihm vereint,
19
Sein Freiheit er
20
Vor ihr nicht konnt erhalten.

21
Sie blickt ihm in das Herz hinein,
22
Mein's Leibs must du gewaltig seyn,
23
Der Ehren sein
24
Hätt' er da kein Gewalte.

25
Und als der Tag sich anebrach,
26
Die Königin wohl zu ihm sprach,
27
Deins Leibs hab ich
28
Begehrt, der ist mir worden.

29
Heb dich davon, saum dich nicht lang',
30
Gar bald er in die Kleider sprang,
31
Er wußt auch nicht,
32
Daß ihm folgt nach ein Morde.

33
Sie nahm ihn fälschlich bei der Hand,
34
Hin auf ein Brett sie ihn da sandt,
35
Zuckt an der Schnur,
36
Das Brett thät mit ihm fallen.

37
Wohl in ein Wasser ungeheur,
38
Darin verdarb der fromm und theuer,
39
Das falsche Weib
40
Ließ freudig Lachen schallen.

41
Aus ihrer Lieb führt nur ein Weg,
42
Der führte auf den Todessteeg,
43
Die ihr vertraut,
44
Acht Jüngling noch gar freie.

45
So warens mit dem ersten neun,
46
Die Zahl war ihr noch viel zu klein,
47
Den zehnten auch
48
Sucht sie in falscher Treue.

49
Er war ein hochgelehrt Student,
50
Ihr Complexion er gar wohl kennt',
51
Er wußt gar wohl
52
Sie konnt ihn nicht betriegen.

53
Er blickt sie an durch Kunstes Glas,
54
Er sah wie sie naturet war,
55
Er warb um sie,
56
Ihr List mußt ihm erliegen.

57
Er zwang ihr Herz mit seiner Kunst,
58
Er zwang ihr Herz in Liebesbrunst,
59
Die Königinn
60
Wollt sehnlich ihn umfangen.

61
Da sagt er ihr ein hartes Wort,
62
Neun Jüngling seh ich schweben dort,
63
Die warnen mich,
64
O Weib, das bringt mir Bangen.

65
Ein Wasser braußet unter mir,
66
Dein Bett ein böses Schifflein schier,
67
Will schlagen um,
68
Will jenen mich gesellen.

69
Du führest falsche Segellein,
70
Du glaubst, ich sollt der zehnte sein,
71
Du Mörderin
72
Willst tödten mich in Wellen.

73
Groß Zorn das Weib der Red empfand,
74
Sie ließ ihm binden Fuß und Hand:
75
Ihr Diener mein,
76
Thut mir den Mann erträncken.

77
Er blickt sie an, ganz still gemüth,
78
Er wußt wohl, daß er war behüt,
79
Man hob ihn auf,
80
Und wollt ihn schon versencken.

81
Da brachen seine Strick zur Stund,
82
Er sprang hinab frei und gesund,
83
Im tiefen See
84
Konnt er gar lustig schweben.

85
Ganz aufrecht als ein Federbolz,
86
Trat er darin das Wasser stolz.
87
Wer ihn ermordt,
88
Dem will sie sich ergeben.

89
Des faßt manch böser Knabe Lust,
90
Manch Armbrust zielt nach seiner Brust,
91
In Vögelein
92
Die Pfeil sich da verkehren,

93
Und schwebten um ihn auf und ab.
94
Die Königinn rief da herab:
95
O hätt ich dich,
96
Ich wollt dein Kunst zerstören.

97
Frau Königinn, er zu ihr sprach,
98
Ich trage um neun Knaben Räch',
99
Neun Vögelein
100
Die Pfeil sich um mich schwingen.

101
Nach einem Wald steht mir mein Sinn,
102
Darin ich euer Vogler bin,
103
So viel ich fang,
104
Von euch lehr ich sie singen.

105
Da schwang er sich zum Wald hindan,
106
Ihm sahen nach viel Weib und Mann,
107
Die Königinn
108
Ward bleich an ihren Wangen.

109
Er setzt sich in den grünen Plan,
110
Viel Vögelein sich zu ihm nahn,
111
Mit Listen braucht
112
Er keinen nicht zu fangen.

113
Er schwang sich in die Lüfte klar
114
Um ihn die laute Vogelschaar,
115
Ließ nieder sich
116
Auf eines Thurmes Zinne.

117
Den Vöglein in die Schnäbel band
118
Er Brieflein all, darinnen stand:
119
Neun mordete
120
Die Königinn um Minne.

121
Die fliegen wohl durch Stadt und Land,
122
Man fieng sie alle mit der Hand,
123
Da ward die Schand
124
Wohl allen offenbare.

125
Ein Vogel bunt in Sonderheit,
126
Des hätt die Königinn ein Freud,
127
Sie griff nach ihm,
128
Er sezt sich auf ihr Haare.

129
Er ließ ihr fallen auch mit List,
130
Den Zettel zwischen ihre Brüst,
131
Und flog von dann,
132
Da las sie ihre Schande.

133
Das Zettelein sie da zur Stund
134
Zerriß mit ihrem rothen Mund,
135
Wohl hin und her
136
Sie ihre Händlein wandte.

137
Ihr Schuld kam da wohl klar an Tag,
138
Der Künstler führt die erste Klag:
139
Frau Königinn,
140
Albertus ist mein Namen.

141
Albertus Magnus heiße ich,
142
Sanktus nennt auch die Kirche mich,
143
Du hast um mich
144
Dein Buhlerkunst verloren.

145
Ein weiser Meister heiße ich,
146
Du wolltst im Zorn ertränken mich.
147
Da schrie sie laut:
148
»o Weh daß ich gebohren!

149
O Weh daß ich gebohren bin!«
150
Schrie da die edle Königinn,
151
Verzweifelung
152
Kam da in ihre Sinnen.

153
Albertus macht sie da wohl zahm,
154
Sie stand vor ihm in groser Scham,
155
Er redt zu ihr
156
Und ließ sie Muth gewinnen.

157
Zur Hand gewann sie Reu und Leid,
158
Zerriß ihr königliches Kleid,
159
Und legt sich an
160
Wohl einen grauen Orden.

161
Albertus lehrt sie in der Beicht,
162
Wie sie Versühnung wohl erreicht,
163
Mit strenger Buß,
164
Um ihre Schuld und Morden.

165
Vor ihrer Zell wohl achtzehn Jahr,
166
Neun Vögel sangen traurig gar,
167
Den gab sie Speiß,
168
Und weinet bitterlichen.

169
Und da die Zeit verstrichen war,
170
Da waren es neun Engel klar,
171
Die führen sie
172
Wohl in das Himmelreiche.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.