1
So will ich denn mit wenig Wörtern
2
O Freund! dein Bergwercks Glück erörtern.
3
So triffst du, wie ich mercken kan,
4
Nunmehro einen Hauptgang an.
5
Was schon die Alten unterbrochen,
6
Wo schon die Gänge abgestochen,
7
Wo schon gezogenes Gestein,
8
Das läst du unberühret seyn;
9
Denn abgekehrte Spinneweben
10
Die würden dir kein Silber geben.
11
Du suchst ins frische einzuhaun,
12
Und einen derben Gang zu baun,
13
Wo noch kein Schlägel nichts verletzet,
14
Wo noch kein Feustel angesetzet.
15
So schlägst du, und so muß es seyn,
16
In unerschrotne Felder ein.
17
Dein scharff gemacht und lüstern Eisen
18
Wird dir ergiebge Gänge weisen.
19
Ich weiß schon, daß dein frischer Schacht
20
Dir bald die gröste Hoffnung macht,
21
Zumahl sich in den Nebengängen
22
Auch feine Trümmer untermengen,
23
Nun haust du einen Hauptgang an,
24
Wo man bald Ertze spühren kan.
25
Du wirst die Lehn alleine tragen,
26
Du wirst nichts nach Gewercken fragen,
27
Und fällt der Anbruch reich und fein,
28
So bleibt er auch alleine dein.
29
So wird von dir bald nach Verlangen
30
Ein guter Haspel hingehangen.
31
Denn schaffest du, und das mit Recht,
32
Auch einen feisten Haspelknecht.
33
Denn wird von Steigern, Häuern, Jungen,
34
Ein fröliches Glück auf! gesungen;
35
Und diesem allen hilfft zumahl
36
Ein gut und fest gehärter Stahl.
37
Es wird euch weder Dunst und Schwaden,
38
Noch auch der böse Kobald schaden.
39
So hast du glücklich eingeschürfft,
40
Da sich der Gang ins Krumme wirfft,
41
Bringst du nun balde schöne Stuffen,
42
So will ich auch Glück auf! mit ruffen.
43
Nie fördere ein falsches Quertzt,
44
Vielmehr ein schön gewachsen Ertzt,
45
So kanst du offt in deinem Leben
46
Vergnügt und gute Ausbeuth geben.
47
Ich wünsche, daß bey erster Schicht,
48
Rothgülden Ertzt und Silber bricht.
49
Denn scheue du auch kein Bemühen,
50
Laß Fördern, Kübel, Haspel ziehen,
51
Daß deine Zeche tragen mag.
52
So Zubuß, Ausbeuth, als Verlag.
53
So wirst du bey ergiebgen Flötzen,
54
Dein Berggesinntes Hertz ergötzen.
55
So machet denn dein reiches Feld
56
Kein so verhastes Zubuß-Geld.
58
Nie muß man einen Mangel spühren,
59
Und der erobert schöne Gang
60
Der löse sich dein Lebelang.
61
Gebrauche dich der Wünschel-Ruthen,
62
Annoch ein frisches Feld zu muthen,
63
Daß du den Schacht zu Sümpffen treibst,
64
Und auch nicht ohne Stollen bleibst.
65
Es sey dein Schacht also verfasset,
66
Daß er auf guten Beinen passet!
67
Der Himmel selbsten steh dir bey,
68
Und halte dich von Brüchen frey,
69
So, daß man stets auf deiner Zeche
70
Das schönst und reichste Ertzt erbreche.
71
Gleicht nun mein Reim der Sprache nicht,
72
Wie man bey euch Bergmännisch spricht,
73
So must du diesen Fehl zudecken,
74
Und mich nicht auf den Rieb-Baum strecken.
75
Gesetzt, ich käme auch darauff,
76
So ruff ich doch: o Freund, Glück auf!