Schuld

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Ludwig Achim von Arnim: Schuld (1806)

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Es ging ein Knab spazieren,
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Zu Augsburg in den Wald,
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Da begegnet ihm ein Mägdlein,
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War achtzehn Jahre alt,
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Gar schön war sie gestallt.

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Er nahm das Mädel gefangen,
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Gefangen must du sein!
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Er zog ihr aus die Kleider,
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Und schlug sie also sehr,
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Hat ihr genommen die Ehr.

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Zu Augsburg in dem Wirthshaus
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Saß er bei Speis und Trank;
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Da kam dasselb'ge Mägdlein,
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Griff ihn an seine Hand,
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Schloß ihn in Ketten und Band.

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Zu Augsburg auf dem Thurme,
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Wo er gefangen saß,
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Da kam seine liebste Frau Mutter:
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Mein Sohn was machst du da?
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Was hast du da gemacht?

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Was ich allhier wohl mache,
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Das darf ich euch schon sag'n:
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Ich hab das schwarzbraun Mägdelein
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Geschlagen also sehr,
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Hab ihr genommen die Ehr.

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Ach Jüngling! liebster Jüngling,
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Ist das nicht Schand und Spott?
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Dein Kopf der gehört an Galgen,
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Dein Körper auf das Rad,
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Weil du's verschuldet hast.

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Ach Mutter, liebste Mutter mein!
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Ist denn der Bericht schon da?
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So bestellt mir Roß und Wagen,
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Ich geh nicht mehr zu Fuß,
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Weil ich weiß, daß ich sterben muß.

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Ihr lieben Herrn von Augsburg!
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Noch eine Bitt an euch:
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Den Kirchhof thut mir schenken,
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Dazu ein seidenes Kiß'n,
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Wo's gut drauf rasten ist.

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Ach Jüngling, liebster Jüngling mein!
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Das geht nicht bei der Stadt,
43
Der Kopf gehört an Galgen,
44
Der Körper auf das Rad,
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Weil dus verschuldet hast!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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