Henneke Knecht

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Ludwig Achim von Arnim: Henneke Knecht (1806)

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Henneke Knecht, was willst du thun,
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Willst du verdienen dein alten Lohn,
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Ueber Sommer bey mir bleiben?
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Ich geb dir ein Paar neue Schuh,
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Den Pflug kannst du wohl treiben.

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Henneke sprach ein trozig Wort,
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Ich will keim Bauern dienen fort,
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Solcher Arbeit will ich trutzen,
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Ich will mich geben auf die See,
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Des hab ich grössern Nutzen.

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Das Weib sprach auch ein hastig Wort:
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Wie bist du Karl auch so bethört,
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Willst du ein Schiffmann werden,
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Hakken, reuten ist dein Art
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Und pflügen in der Erden.

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Henneke ward bey sich selbst zu Rath,
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Er kauft für seinen Habersack
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Ein Armbrust, gut von Preise,
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Kurz Kleider läßt sich messen an,
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Recht nach der Krieger Weise.

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Er nahm die Armbrust auf den Nack,
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Den Köcher er im Gürtel stach,
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Das Schwerdt an seine Seite,
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So ging er dann mit Sack und Pack,
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Nach Bremen thät er schreiten.

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Als Henneke nach Bremen kam,
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Thät er vor einem Schiffer stahn,
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Sprach: Schiffer lieber Herre,
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Wollt ihr mich wohl zum Schiffmann han,
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Für einen Ruderere?

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Ich will dich gerne nehmen an,
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Kannst du als Schiffknecht mir bestahn,
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Wohl recht an Schiffes Borde,
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Ich hör an deinen Worten wohl,
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Du bist von Bauern Arte.

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Henneke schwor einen theuren Eid:
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Kein anderer Kerl ist weit und breit
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Zu allem Thun und Sachen;
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Ich bin in meinem Muth so frey,
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Recht als ein wilder Drachen.

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Da Henneke Knecht kam auf die See,
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Stand er als ein verzagtes Reh,
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Kein Wort konnt er nicht sprechen,
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Er dachte hin, er dachte her,
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Sein Herz wollt ihm zerbrechen.

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Er lehnt sein Haupt an Schiffesbord,
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Ein Armes lang sprach er kein Wort,
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Wohl zu derselben Stunden:
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Was mir das Weib vorhergesagt,
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Das hab ich nun gefunden.

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Der Wind, der weht, der Hahn, der kräht,
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Das Wetter, das war gar unstät,
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Das Meer ganz ungeheure,
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Hätt ich den Pflug in meiner Hand,
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Dem wollt ich wohl bald steuren.

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Ist denn nun niemand hier bekannt,
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Der mich bringt in das Sachsenland,
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Wohl zwischen Dister und Leine,
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Wohl zu des edlen Fürsten Haus,
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Das Haus zum Lauensteine?

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Auch ist nun hier niemand bekannt,
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Der mich bringt ins Braunschweiger Land,
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Ich will ihn wohl belohnen,
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Ich will ihm geben mein Habersack,
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Dazu ein Scheffel Bohnen.

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Der uns das Liedchen hat erdacht,
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Hat Henneken von der See gebracht,
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Daß ihn die Läus nicht fressen,
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Er warnt auch all Gesellen gut,
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Daß ihr nicht seid vermessen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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