Conradin von Schwaben

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Achim von Arnim: Conradin von Schwaben (1806)

1
Als Conradin zu Jahren kam,
2
Ein schnelle Sach sich bald vernahm,
3
Er wollt sich männlich halten,
4
Alle Erbländer nehmen ein,
5
Die von den Aeltern eigen sein,
6
Die wollt er frey verwalten.
7
Daß er sie frey und eigen hätt
8
Um Kriegsvolk thät er schreiben
9
Im Königreich, Fürstenthüm und Städt,
10
Da sollt niemand ausbleiben,
11
Sondern ihm treuen Beystand thun,
12
Bis er ein Heer zusammenbracht,
13
Hat er kein Rast und konnt nicht ruhn.

14
Als nun Papst Clemens solches vernahm,
15
Der Sache bald zuvor auch kam,
16
Thät auch ein Kriegsherr verschreiben.
17
Und schrieb dem Grafen Karl gleich,
18
Dem Bruder des Königs in Frankenreich,
19
Er sollte nicht ausbleiben,
20
Sondern Konrad wehren thun,
21
Und alle Päß verlegen.
22
Graf Karl thäts alsbald nun,
23
Er zog ihm straks entgegen,
24
Und machte durch Verrätherey,
25
Daß er Neapel genommen ein,
26
Eh Conradin noch kam herbey.

27
Karl der schicket aus gar viel
28
Verräther in geheimer Still,
29
Sie sollten Sperl einnehmen,
30
Denn Karl ließ gar viel darauf gehn,
31
In Papstes Namen ists geschehn,
32
Den Conradin zu dämmen,
33
Der Papst verhieß ihm grosses Gut,
34
Wenn er ihn möcht bestreiten,
35
Derhalben hielt er gute Hut,
36
Er ließ groß Gut erbiethen,
37
So die Verrätherey gemacht,
38
Die Steg und Weg daselbst er wußt,
39
Da rückt er bey in tiefer Nacht.

40
Conradin mit seinem Heer
41
Auf die Nacht da einkehrt.
42
Zu Morgens wollt er rücken
43
Ja ins Königreich Neapel ein!
44
Ließ ausrufen mit heller Stimm,
45
Sein Red wollt er nicht zucken,
46
Eh müß ihm drauf gehn Leib und Gut,
47
Er wolle es drauf setzen! –
48
Die Landsknecht sind nun wohlgemuth:
49
Die Reis' soll uns ergötzen!
50
Sie konnten sich nicht rüsten mehr,
51
Hineinzurücken in das Land,
52
Als schon der Feind vorhanden wär.

53
Nun höret zu, wie es ergieng,
54
Als sich der Schimpf mit Ernst anfieng,
55
Die Schanz ward hastlich übersehen.
56
Conradin hat gesiegt im Anfang,
57
Da über die Beut die Ordnung sank,
58
Da war der Schaden geschehen,
59
Sie waren übereilet schon
60
Von ihrem Gegentheile,
61
Deshalb empfingen bösen Lohn,
62
Ihre Haut war ihnen feile,
63
Der Vortheil übergeben ward,
64
Das Spiel, das war verloren schon,
65
Vermißt ward ihnen hier die Kron.

66
Es kostet manchen stolzen Mann,
67
Der seine Haut wollt rücken dran,
68
Zu retten seinen Herren,
69
Und ihm ein treuen Beystand thun
70
In Nöthen gänzlich nicht verloren,
71
Mit Tapferkeit zu wehren.
72
Es konnt damit doch nichts mehr seyn,
73
Sie waren überlänget,
74
Der Feind drang bald auf sie herein,
75
Daß sie wurden zerdränget,
76
Noch dennoch war ihr Herz so gut,
77
Eh einer seinen Herrn lassen wollt,
78
Vergossen sie ihr eigen Blut.

79
O Jammer über Jammersnoth,
80
Wie viel der Kriegsleut blieben todt,
81
Noch dennoch ward gefangen
82
Ihr Herr, für den sie Gut und Blut
83
Daran gesetzt aus freyem Muth,
84
Der must nun von hindannen
85
Mit einem Herzog zu Oesterreich,
86
Friedrich ward er genennet,
87
Sie wurden beyd hinweg zugleich
88
Geführet unzertrennet,
89
In die Hauptstadt, die ward genannt
90
Neapel von dem Königreich,
91
Gefangen sassens in ihrem Land.

92
Als Conradin gefangen war,
93
Wurd er gehalten grausam hart,
94
Mit samt dem Herzog Friedrich,
95
Verspottet, jämmerlich traktirt,
96
Zu einem Schauspiel umgeführt,
97
Und was man konnt erdichten. –
98
Den vorgen Tag der Held ging zu
99
Durch Berg und Thal mit glänzendem Heer;
100
Der Papst hat weder Rast noch Ruh,
101
Vor Neid konnt er nicht warten mehr,
102
Aus eitel Gift und grimmen Zorn
103
Gab er Befehl, daß man sollt schnell
104
Mit ihnen zum Gericht fortfahrn.

105
Man führt herfür die Fürsten beyd,
106
Wer hat gesehen solches Leid
107
Bey Denken aller Zeiten,
108
Da auf die Wahlstadt, die da war
109
Bereitet ihnen also baar,
110
Oeffentlich vor allen Leuten,
111
Man schlug ihnen beiden ihr Häupter ab,
112
Da war gar kein Erbarmen,
113
Es must daran der junge Knab
114
Mit seinen schneeweissen Armen,
115
Als er alt war sechzehen Jahr,
116
Durch den Papst Clemens den vierten
117
Ist das geschehen offenbar.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.