Wilhelm Tell

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Ludwig Achim von Arnim: Wilhelm Tell (1806)

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Wilhelm bin ich der Telle,
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Von Heldenmuth und Blut,
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Mit meinem G'schoß und Pfeile
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Hab ich die Freiheit gut
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Dem Vaterland erworben,
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Vertrieben Tyranney,
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Einen festen Bund geschworen
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Haben unsre Gesellen drey.

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Uri, Schweiz und Unterwald,
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Befreiet von dem Reich,
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Litten großen Zwang und Gewalt
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Von Vögten unbillig.
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Kein Landmann durft nicht sprechen,
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Dies ist mein eigen Gut,
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Man nahm ihm also freche
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Die Ochsen von dem Pflug.

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Dem der sich wollte rächen,
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Und stellen in die Wehr,
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Thät man die Augen ausstechen,
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Und hörte Bosheit mehr.
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Zu Altdorf bei der Linden
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Der Vogt steckt auf sein Hut,
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Er sprach, den will ich finden,
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Der ihm kein Ehr' anthut.

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Das hat mich verursachet,
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Daß ich mein Leben g'wagt,
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Den Jammer ich betrachtet,
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Des Landmanns schwere Klag:
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Viel lieber wollt ich sterben,
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Dann leben in solcher Schand,
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Dem Vaterland erwerben
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Wollt ich den freien Stand.

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Den Filz wollt ich nicht ehren,
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Den aufgesteckten Hut;
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Das schmerzte den Zwingherren
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In seinem Uebermuth;
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Er faßt ein Anschlag eitel,
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Daß ich müst schiessen geschwind,
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Ein Apfel von dem Scheitel
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Meinem herzliebsten Kind.

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Ich bat Gott um sein Güte,
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Und spannte auf mit Schmerz,
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Vor Angst und Zwang mir blut'te
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Mein väterliches Herz:
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Den Pfeil konnt ich wohl setzen,
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Bewahret war der Knab,
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Ich schoß ihm unverletzet
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Vom Haupt den Apfel ab.

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Auf Gott stund all mein Hoffen,
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Der leitet meinen Pfeil,
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Doch hätt' mein Kind getroffen,
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Hätt' ich fürwahr in Eil
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Den Bogen wieder gespannt,
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Und geschossen an den Ort
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Den gottlosen Tyrannen,
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Zu rächen seinen Mord.

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Das hat der Bluthund geschwinde,
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Gar wohl an mir gemerkt,
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Das ich ein Pfeil dahinten
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In meinem Göller gesteckt,
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Was ich damit thät meinen,
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Wollt er ein Wissen han,
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Ich konnts ihm nicht verneinen,
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Zeigt ihm mein Meinung an.

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Er hat mir zwar versprochen,
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Er wollt mir thun kein Leid,
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Jedoch er hat gebrochen
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Sein Wort und auch sein Eid;
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Ja zu derselben Stunden
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Mit Zorn er mich angriff,
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Er ließ mich hart gebunden,
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Hinführen in ein Schiff.

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Ich klagte meinem Gesinde,
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Das ich sie muß verlahn,
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Mich jammert Weib und Kinde
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Mit manchem Bidermann;
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Ich meint sie nicht mehr zu finden,
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Vergoß so manche Thrän,
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Vor Herzleid mocht verschwinden;
80
Des lachet der Tyrann.

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Er wollt mich han zur Busse
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Beraubt des Sonnenscheins,
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Zu Küßnacht auf dem Schlosse
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Mich ewig sperren ein,
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Mit Trotzen und mit Pochen
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Führten sie mich dahin;
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Das ließ Gott nicht ungerochen,
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Und half dem Diener sein.

89
Dem Wind thät er gebieten,
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Der kam im Sturm daher;
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Der See fing an zu wüten,
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Das Schiff stund in Gefahr;
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Der Vogt hieß mich losbinden,
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Und an das Ruder stehn,
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Er sprach hilf uns geschwinde,
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Mir und dir selbst davon.

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Das thäte ich erstatten,
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Und säumte gar nicht lang,
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Als ich kam zu den Platten,
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Zum Schiff hinaus ich sprang;
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Ich eilte wunderschnelle
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Durch hohe Berg hinan,
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Den Winden und den Wellen
104
Befahl ich den Tyrann.

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Er brüllte wie ein Löwe,
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Und schrie mir zornig nach,
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Ich achtete nicht sein Drohen,
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Zu fliehen war meine Sach;
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Ja in der hohlen Gassen
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Wollt rächen ich den Trutz,
111
Mein Armbrust thät ich fassen
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Und rüstet mich zum Schuß.

113
Der Vogt kam jetzt geritten
114
Hin auf die Gasse hohl,
115
Ich schoß ihn durch die Mitten,
116
Der Schuß war gerathen wohl;
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Zu todt hab ihn geschossen
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Mit meinem Pfeile gut,
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Er fiel bald ab dem Roße,
120
Des war ich wohl zu Muth.

121
Als David aus der Schlinge
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Den großen Goliath,
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Mit einem Stein geringe,
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Zu Boden geworfen hat,
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Als gab mir Gott der Herr
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Sein Gnad und auch sein Macht,
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Daß mich mit Gewalt erwehre,
128
Den Wütrich hab umbracht.

129
Mein Gesell hats auch gewaget,
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Bewiesen seine That,
131
Den Landberger gezwaget
132
Mit einer Axt im Bad;
133
Der sein Eheweib mit Zwange
134
Wollt haben zum Muthwill,
135
Des schont er ihn nicht lange,
136
Schlug ihn zu tod in Eil.

137
Kein ander Gut noch Beute
138
Begehrten wir ins gemein,
139
Denn die Gewalt auszureuten,
140
Das Land zu machen rein;
141
Wir fanden ja kein Rechte,
142
Kein Schirm, kein Obrigkeit,
143
Darum musten wir fechten,
144
Gottes Gnad war uns bereit,

145
Da fing sich an zu wehren
146
Ein werthe Eidgenoßschaft;
147
Man grif gar bald zum Gewehren,
148
Der Feind der kam mit Kraft;
149
Den Ernst wir da nicht sparten,
150
Und schlugen tapfer drein,
151
Wohl an dem Morgarten,
152
Der Letzt wollt keiner sein.

153
Wir schlugen da den Adel
154
Mit aller seiner Macht,
155
Gesträuft han wir den Wadel
156
Dem Pfau, der uns veracht;
157
Ein Pfeil hat uns gewarnet,
158
Das Glück stund auf der Wag,
159
Gar sauer han wir erarnet
160
Zwei Sieg an selbem Tag.

161
Der Feind that uns angreifen
162
Mehr dann an einem Ort,
163
Den Schimpf macht er uns reife,
164
Wir musten laufen fort,
165
An Brünig zu dem Streite
166
Zu helfen Freunden gut,
167
Da gab der Pfau die Weite,
168
Es kost viel Schweiß und Blut.

169
Das merket fromm Eidgenossen,
170
Gedenket oft daran,
171
Was Blut für euch vergossen,
172
Laßt euch zu Herzen gahn;
173
Die Freiheit thut euch zieren,
174
Darum gebt Gott die Ehr,
175
Und sollt ihr die verlieren,
176
Sie würd euch nimmermehr.

177
Die Müh ist wohl gepflanzet,
178
Mit euer Väter Blut,
179
Die Freiheit der edle Kranze,
180
Den haltet wohl in Hut;
181
Den wird man euch abstechen
182
Sogleich zur solchen Zeit,
183
Wenn Treu und Glaub wird brechen
184
Durch Eigennutz und Geiz.

185
Mir ists, ich sehe kommen
186
So manchen Herren stolz,
187
Bringen ein große Summe
188
Des Gelds und roten Golds,
189
Damit euch abzumärkten,
190
Zu kaufen eure Kind,
191
Die kein Wort können reden,
192
Noch in der Wiege sind.

193
Ich thu euch dessen warnen,
194
Weil Warnung noch hat Plaz,
195
Gespannt sind euch die Garne,
196
Die Hund sind auf der Hatz;
197
Gedenket an mein Treue,
198
Kein Tell kommt nimmermehr,
199
Kein Freund alt und neue,
200
Giebt euch ein besser Lehr.

201
Thut euch zusammen halten
202
In Fried und Einigkeit,
203
Als eure frommen Alten,
204
Betrachtet Bund und Eid;
205
Laßt euch das Geld nicht müssen,
206
Die Gaben machen blind,
207
Damit ihr nicht müßt büssen,
208
Und dienen zulezt dem Feind.

209
Nehmt hin fromm' Eidgenossen,
210
Die noch aufrichtig sind,
211
Dieß Lied hiemit beschlossen,
212
Thuts schlagen nicht in Wind;
213
Ein Urner hats gesungen,
214
Gedichtet und vermehrt,
215
Zur Warnung, Lehr der Jungen,
216
Dem Vaterland verehrt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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