Gustav Adolphs Tod

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Ludwig Achim von Arnim: Gustav Adolphs Tod (1806)

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Ach könnt ich meine Stimm dem Donner gleich erheben,
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Daß sie, die weite Welt erschreckend, mög erbeben,
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Wollt ich ersteigen bald, trostlos und ruhelos
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Den allerhöchsten Berg, zu alles Geists verwundern,
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Mit überlauter Macht aus meiner Brust ausdundern:
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Gustav der Groß ist todt, todt ist Gustav der Groß,

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Ihn hat das wilde Meer der Schweden Schatz getragen,
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Zu uns so still und glat, dem Meerzug nicht zu schaden,
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Ihm war so lieb und werth des Königs Gegenwart,
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Der Wind enthielt sich auch von allem Sturm und Rasen,
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Erfreuend sich allein die Segel aufzublasen,
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Begünstigend nach Wunsch des Helden Ueberfahrt.

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Das Wasser rauschte tief von Schiffen wie verborgen,
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Als auf dem Hauptschif hoch der Held voll Treu und Sorgen
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Betrachtet hin und her des deutschen Reichs Zwietracht,
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Sah auf des Kieles Schaum drey Baltische Syrenen,
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Die reich mit Bernstein Haar und Arm und Brust beschönen,
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Und die ihr Lieb und Leid ihm also vorgebracht.

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»fahr fort, du edler Held, du siegst in Noth, wir schwätzen;
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Der Frommen Aug wird Freud, das unsre Leiden netzen,
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Ach daß sie wie wir dir auch nach dem Tod getreu.
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Denn du, nachdem dein Lauf wie Herkules beendet,
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Sollst werden dieser Welt, die dein nicht werth, entwendet,
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So hoch wird seyn dein Werk, zu machen Deutschland frey.«

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Entdeckte Masten dort, ihm nahen Landes-Hügel,
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Sanft leget sich der Wind und bringt das Schiff ans Land,
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Aus welchem als der Held auf das Gestad gesprungen,
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Hat knieend er zum Dank mit eifrig frommer Zungen
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Erhoben sein Gebet, sein Herz, Gesicht und Hand.

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»gesegnet bist du Held, gesegnet wir Soldaten,
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Die dienend unter dir, theilhaftig deiner Thaten!«
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Sang bald der ganze Hauf mit einem Mund und Muth,
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Kein Glück, kein Unglück je konnt wider dich vermögen,
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Und nichts kann dein Gemüth und Angesicht bewegen,
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Umsonst ist wider dich des Feinds Gewalt, List, Muth.

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Gleich wie der Amboß sich nicht fürchtet vor den Streichen,
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Wie Meereswellen nie den kühnen Fels erweichen,
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Also verändert dich kein Ernst, Gefahr und Scherz,
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Wie Flüsse sich ins Meer ohn Abnahm stets ergiessen,
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Ins Meer ohn Zunahm stets die vollen Ströme fliessen,
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Also sich und der Welt ist gleich des Helden Herz.

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Mit schlechtem Brod und Trank gesättiget zu werden,
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Als Trinkglas seinen Helm, als Ruhbett harte Erde,
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Als Pfühl den nächsten Stein, ja auch wohl Schnee und Eis,
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Als Bad den wilden Fluß, ganz zaglos zu gebrauchen,
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Sein Werk zu setzen fort in Hitze, Frost und Regen,
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Sich selber gleich und fromm, so war des Königs Weis.

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»es walt der liebe Gott, Gott mit uns wie vor Zeiten,
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O Jesu, Jesu hilf, hilf Jesu mir heut streiten
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Zu deines Namens Ehr, zu steuern Feindes Macht!«
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Also hat er sein Volk anführend mehr ergötzet,
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Und mitten in die Feind, stets siegreich, selbst gesetzet,
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Da er bald manche That und seinen Tag vollbracht.

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Und Hecken, Bäum und Thürm urplötzlich stracks umwehet,
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Ein trauriges Gewölk, ganz finster schwarz und dick,
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Dem Trauerschleier gleich mit Dunst und Rauch erfüllet,
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Den Tag, das Firmament, die Sonne selbst verhüllet,
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Verblindet das Gesicht in einem Augenblick.

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Bald mancher Donnerschlag mit Strahlen ganz beladen,
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Durchstürmet das Gewölk und Land mit Brunst und Schaden,
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Bald feurig ist die Luft, bald finster um und um,
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Die Wolken brechen sich, dann fallet ein Schlagregen,
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Verhärtet ganz in Eis, das bald mit tausend Schlägen
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Zerschmettert Frucht und Volk, und wer nicht schreit ist stumm.

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Also und gräulicher mit Krachen, Schallen, Knallen,
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Sind bald die beyden Heer einander angefallen,
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Da war die Luft alsbald voll Feuer, Rauch und Dampf,
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Der Grund erschüttert schon von Böllern und Karthaunen,
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Darob die Thier und Leut erstummen und erstaunen,
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Als ob der Himmel selbst und Erde hier im Kampf.

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Damals hat unser Held, indem es Feuer regnet,
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Mit seinem theuren Blut, siegreich die Welt gesegnet,
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Da denn das Firmament bald krönet seine Stirn,
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Damals ist unser Held, ich sprechs, uns zu bewahren,
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Als wahrer Herkules dem Himmel zugefahren,
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Da er denn leuchtet klar, ein neues

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Kaum, kaum war das Gerücht, das niemals stumm, gehöret,
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Daß Gustav Adolph schon der Götter Zahl vermehret,
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Vermehrt sich auch des Heeres Grimm und Stärk und Macht,
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Mit ganz gerechtem Zorn ihr Muth und Herz ist wachsen,
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Vor allen tröstet sie Bernhardt der Held aus Sachsen,
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Daß, der nicht sterblich mehr, ihr Schutzherr, sie bewacht.

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Hat er, als heimlich sie den Stern schon angebetet,
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Begierig sie geführt auf den siegtrunknen Feind,
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Geschleifet auf den Grund ohn alle Gnad und Dauern,
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Des Feindes Eisenthürm, lebendig starke Mauern,
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Da half kein Herrenstand, da galt kein Geld noch Freund.

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Ein Regen dick von Bley, Stein, Erz und Feuerschlossen,
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Mit schwarzem Dunst und Brunst wird wieder ausgegossen,
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Mit scheuslich herbem Tod, trift auf des Feindes Heer,
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Des Nordsterns Einfluß kan der Feind nicht mehr vermeiden,
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Er muß, er muß nun gleich des Lebens Schiffbruch leiden,
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In seinem auf dem Feld noch rasend blutgem Meer.

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Damals der bleiche Feind, auf den der Nordstern schiesset,
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Hat seine Tiranney, den Blutdurst schwer gebüsset,
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Mit seinem eignen Blut, das da bey Lützen fließt,
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Darauf des Helden Heer mit aufgehobnen Händen
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Erfleht von Gott mit Lob, sein Werk auch zu vollen den,
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Stark durch des Sternes Kraft, der hell die Sieger grüßt.

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Ja sieg- und trostreich ists erhöret und gewähret
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Befand es sich alsbald und immerdar uns lehret,
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Daß lang in Eitelkeit zu leben ganz umsonst,
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Denn unserm Lebenslauf ein kurzes Ziel gestecket,
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Nur der, der drüber hin sein Lob durch That erstrecket,
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Der ist den Göttern gleich, der hat der Tugend Kunst.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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