Die Schmiede

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Ludwig Achim von Arnim: Die Schmiede (1806)

1
Wenn jetzt die Schmieder zusammen geloffen
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Und angefangen, das Eisen zu klopfen,
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Kein solcher Gesang kömmt auf die Bahn
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Wie diese Bursche heben an.
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Mit Streichen im Dutzend einander sie trutzen,
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Keiner der lezte will sein.
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Sie schlagen eins Schlagens und thuen den zwagen,
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Der leiser schlägt darein.
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Mannichfaltig, gestaltig, gewaltig
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Die Hämmer hoch fliegen, das Eisen zu biegen,
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Die Zangen erlangen und fangen die Stangen,
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Und werfens in die Kohlen, daß klinget, wiederspringet,
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In Mitten der Hitzen, daß glitzet widerspritzet, –
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Und also das Eisen tauglich wird.

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Weil nun die Hämmer auf dem Ambos rum springen,
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Die Blasbälge dort in dem Ofen auch singen,
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Und bläßt der Knecht, so lang er kann,
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Bis daß die Kohlen recht angahn.
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Inzwischen erfrischen sich wieder die Schmieder,
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Da hebet das Schnaufen erst an.
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Sie reissen das Eisen vom Heißen und schmeißen
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Es auf den Ambos hinan,
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Und laufen im Haufen mit Schnaufen,
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Und schmieden eines Schmiedens zusammen, mit Nahmen
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Vulkanus, Pyramus, Jost Cleußle, Thomas Fäußle,
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Dies wellen die Gesellen nit lassen, dermaßen
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Bis alles erbidmet in Mitten der Schmieden, –
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Auch leztlich das Eisen sich ergiebt.

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Nachdem nun das Eisen genugsam gelitten,
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Kömmt Wagner Franz vor die Schmiede geritten,
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Er bringt mit sich der Räder drey:
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»die müssen flugs beschlagen sein!«
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Giebt wieder ein Rummel, Gemummel und Tummel,
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Doch mit Bescheidenheit,
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Denn reine und kleine, gar feine, subteile
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Sind Hämmerlein da bereit,
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Die fassen sie, spassen und lassen dermaßen
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Die Hämmerlein tanzen dem Franzen das ganze
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Rad über und über, als gält es viel Stüber,
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Und währet das Springen, das Klingen und Singen
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Bis daß sie dem Wägner, beschlagen die Räder–
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Laß dies ein lustiges Handwerk sein.

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Bald wieder die Schmieder zum Ambos hin stunden,
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Es waren drei rüstige kohlschwarze Kunden,
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Ein Kontrapunkt sie fingen an,
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Kein Kantor es wohl besser kann.
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Wohl Hammer um Hammer fiel wieder hernieder,
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Gab ihnen den Takt darzu,
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Sie schwangen mit Zangen und wandten die Stangen,
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Es ist doch nimmer genug.
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Besser auffen Misthaufen ihr Schnaufer, ihr Sauffer!
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Die Hämmer thut schwingen, die Klingen muß springen,
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Thut wacker drauf klopfen, ihr Blocken, ihr Tropfen,
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Noch höher thut zücken, den Rücken fein bücken,
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Jezt gehts schon viel räscher, hui Fresser wie Drescher, –
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Laßt nach, die Stange ist wohl gemacht.

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Der Meister nun brachte drei andere Stumpen. –
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Wohlan! nun zucket ihr Hudler und Lumpen!
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Da habt ihr gar geringe Wahr,
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Schlagt drauf der lezte bei 'nem Haar!
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Drei Knappen wie Rappen im Schlagen diltappen,
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Sie schlugen von oben herein.
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Thut die Lenden schnell wenden, seit behend mit den Händen,
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Potz Dampf es muß nur so sein.
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Thut besser zu halten, sonst wird es erkalten,
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Hui Strobel, mein Zobel rück besser zum Hobel,
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Hui Schlegel, schieb Kegel, spann d'Segel, netz 'n Flegel,
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Rück besser zum Ambos, Melampus, Schlampampus,
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Merkt auf ihr Sautrigel, ihr holzrichte Prügel! –
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Ab, ab, hui Buben, alsgemach, schlagt ab!
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Nun brachte der Meister voll Bier eine Bütschen,
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Sieh, wie die Bachanten darüber her wütschen,
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Und wie es zugieng bei dem Trunk.
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Der ein zum andern sprach: Du Funk!
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Es gilt Flegel, gsegns Gott Schlegel, Prost Luder, hui Bruder,
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Drucks aus, laß nichts darin,
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Na Schlämpel, Hausträmpel, gieb rummer die Blämpel,
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Es gilt jezt eins im Ring.
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Giebs weiter, Hochzeiter, Freibeuter, Bernhäuter,
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Was machst lang ein Gerümpel, du Simpel, du Gimpel,
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Thu die Gurgel aufspannen, wie ein Wannen, Mußpfannen,
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Fein ritterlich trinken, laß die Lanzen nit sinken,
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Die Augen zu drucken, mit vollem Hals schlucken,
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Laß mir dies hurtige Bantscher sein!

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Sie trankens wohl leer aus, wohl rein auf den Nagel,
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Da brachte der Meister ein anderen Hagel;
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Hui Buben stellt euch wieder ein,
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Packt hurtig an es, es muß nur sein,
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Potz Velti zum schmeißen, wie oft muß ichs heißen,
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Wie lang muß ich da stehn,
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Schlagt alle zusammen, 's wird keiner erlahmen,
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Jezt wirds erst recht angehn.
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Halt tapfer zu Driessel, Schwarzfüßel, Saurießel,
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Sonst soll euch Diebskragen der Hammerstiel zwagen,
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Daß euch möcht die Laugen übertreiben die Augen,
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Schmeißt, daß es erklinget, vom Ambos aufspringet,
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Daß die Funken vor Hitzen mit Glitzen aufspritzen,
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Her auf die Seiten, rum besser, wend her.

99
In dem es nun völlig erklingt in der Schmiede
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Kömmt eilend ein Gast durch die Strasse geritten,
101
Ein Rittersmann bekleidet stolz,
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Viel schneller als ein Federbolz!
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Er rennet und sprenget, et hottet, fort trottet,
104
Gar geschwind als wie der Wind:
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Holla, Hosta, alla Posta, del questa, la kosa,
106
Sa sa sa, Trarara.
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Faule Häuter, schrie der Reiter, wo seid ihr, muß weiter,
108
Mit Spornen drein stechend, dem Klepper zusprechend,
109
Weil die Rippen nit krachen, läßt sich nicht irr machen.
110
Der Schmiede zukesselt, den Schecken anfesselt,
111
Wie wohl er sich sperret, die Augen verzerret. –
112
Zulezt der Gaul das Maul doch henkt.

113
Drauf tritt er heran vor die Schmiede Höllen:
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Kommt rausser, ihr Mausser, ihr rostige Gesellen,
115
Und schaut doch meinem Klepper zu,
116
Er trabet wie des Müllers Kuh,
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Flugs Nägel, Schwartvögel, Zang, Zwikl und Schlegel.
118
Helft schnelle meim hinkenden Gaul,
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Es soll euch nicht reuen, will schicken zum Bräuer
120
Um Bier, seid nur nicht faul!
121
Die drei Noren, wie Mohren, schwarz hinten und vornen
122
Solch Rede erfrischet, ein jeder 's Maul wüschet,
123
Waren lauter Courage, Pourage, Bomperfage.
124
Wohl hinten sie guckten, den Rucken tief buckten,
125
Und schauten dem Schimmel, zu innerst in Himmel; –
126
Wohl hinten mein Schimmel heb auf.

127
Der Schimmel thut munter den Hinterfuß heben,
128
Dem Strobel Baslesmanes vor die Goschen zu geben,
129
Daß er wohl dreimal tumlet rum,
130
Und zog ein Maul so ziemlich krum,
131
Den Schimmel anschielet und grillet und billet,
132
Als thät ihm sein Mäulchen sehr weh.
133
Sie lachten, daß sie krachten, viel Possen erst machten,
134
O he mein Blessel jezt steh!
135
Sa, Sa, Sa mein Schimmel mach nicht viel Getümmel,
136
Mußt hinten fein eben dem Strobel aufheben,
137
Hui Strobel, du Fresser, greif zu dem Hufmesser,
138
Nimm Nägel und Zangen du rußige Stangen,
139
Greif zu dem Hufeisen, es wird dich nicht beißen; –
140
Steh still mein hinkender Blessel steh!

141
Mein Strobel tritt wieder wohl hinter die Gurren,
142
Die hebet wohl an mit dem Magen zu murren,
143
Dem Strobel zu Ehren ein Musik bracht,
144
Des wird von andern er verlacht.
145
Was gaffts lang ihr Lümmel, disputirt mit dem Schimmel,
146
Helft heben den schäbichten Gaul,
147
Keine bratene Tauben, könnt keklich mirs glauben
148
Euch fliegen wird hier in das Maul!
149
Knollfinken, potz Himmel, halt besser den Schimmel,
150
Um die Bütsche voll Hopfen thut klopfen ihr Tropfen!
151
Um die Wekken darneben, die der Ritter wird geben,
152
Thut nieten und feilen, thut waker drauf eilen,
153
Das Eisen auftragen, das Roß wohl beschlagen; –
154
's ist recht mein Schimmel! sezt nieder, steh!

155
Drauf kam ein gut Bauer vor die Schmiede geritten
156
Und thät des Schmieds Jörgen herzinniglich bitten:
157
O Molle hübsche Stiefelein
158
Mach meinem Rolle an die vier Bein,
159
Von Stahel und Eisen mit Riemen zum greifen
160
Auf die allergeschmeidigste Sitt,
161
Mit Rahmen gedoppelt, daß er nicht stollhoppelt,
162
Auch um den mindesten Tritt,
163
Allamodisch, Heroisch, Sklavonisch, Saphoiisch,
164
Mit braunen Galaunen, mit Knöpfen wie Pflaumen
165
Von hänfener Seiden, kohlschwarz wie ein Kreiden,
166
Kortesische Stötzlein, Malthesische Pantöfflein.
167
Hasengärnisch geschnüret, Palermisch stafieret,
168
Noch Geld, noch Kunst laß dauern dich!

169
Schmied Jodel sprach zu ihm: Mein Tolle, mein Knolle,
170
Vier Stiefelein will ich nun machen deim Rolle.
171
O Tilli Matelle miß ihm Hosen an,
172
Und Ueberschläglein daran
173
Von stürtzenem Lündisch, das ziert ihn ausbündisch,
174
Troz einem Edelmann
175
Mit Knöpfen und Borten, mailändischer Sorten,
176
So schön mans finden kann.
177
Das Wammes von Falten zu Falten gespalten
178
Um die Lenden geputzet, aufgemutzet, gestutzet.
179
Mit strohernen Rinken zur Rechten und Linken
180
Von Oben und Unten recht zimpferlich gebunden,
181
Zippergekische Tätzlein, vier Blätzlein vors Lätzlein;
182
Das laß mir einen tollen Rolle sein.

183
Fritz Knolle sprach da wohl mit Lachen zur Sachen:
184
Mein Schmid fang nur tapfer an Hosen zu machen,
185
Ein bomesinenes Mäntelein,
186
Miß gleich zum Wammes obendrein,
187
Mach Wammes und Hosen nach Art der Franzosen,
188
Einen türkischen Bund auch darzu,
189
Mach Feder und Boschen sollt es mich gleich kosten
190
Meine allerurälteste Kuh,
191
Mach Maschen, Kamaschen, zwo Flaschen, drei Taschen,
192
Papierene Krägen für Wind und für Regen,
193
Acht krumme Dusecken nach Art der Poläken,
194
Visigungische Spörlein, an die Oehrlein zwei Perlein,
195
Zwen Spanner und Büxen von Brixen und Grixen; –
196
O Rolle, wie könntest du toller sein!

197
Schmidt Jodel sprach da zum Bauren mit Lauren:
198
O Bauer kein Arbeit soll warlich mich dauern,
199
Mein Kunst passiert, wird sie geschmiert,
200
Den Riemen zieh, den Sackel aufschnürt,
201
Neunzehen Duplonen für die Hosen must du lohnen,
202
Dem Schmiedeknecht eine Zechin,
203
Für Stiefel und Sporn acht Scheffel gut Korn,
204
Der Magd eine Juppe zu Gewinn,
205
Für Boschen ein Groschen, gute Sorten für Borten,
206
Für Knöpf und für Stöklein vier schweinerne Böcklein,
207
Für Mantel und Wammes, ein Wilds und ein Zahmes,
208
Kamaschen und Klappen, neun Dicken drei Rappen,
209
Zipfel, Aermlein und Tatzen, fünf Piaster neun Batzen;
210
Kein Pfenning ich minder nehmen kan.

211
Da möcht dem Fritz Knolle vor Freuden und Lachen
212
Schier gar nächst das zarte Herzbändelein krachen,
213
Und sprach: Ein guten Muth dir hab!
214
Ich zieh' kein halben Heller ab,
215
Nimm' deine Duplonen, doch must' dich nicht schonen
216
Staffier nur meinen Rolle aus,
217
Mit Stiefel und Kappen versieh mir den Rappen,
218
Ich geh auch nicht zuvor nach Haus,
219
Mit Hutzlen und Bohnen, will ich dich belohnen,
220
Mit Haber und Weitzen, zwölf Klafter zum Heitzen,
221
Fünf Wagen voll Kohlen, kannst auch bei mir holen,
222
Teichmispeln und Biren will ich dir zuführen,
223
Mit Käse und Ankhen gar höflich abdanken,
224
Dem Buben ein Saufell werden soll.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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