Schwimm hin, schwimm her du Ringlein

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Ludwig Achim von Arnim: Schwimm hin, schwimm her du Ringlein (1806)

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Nichts schöneres kann mich erfreuen,
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Als wenn es der Sommer angeht,
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Da blühen die Rosen im Mayen,
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Trompeter die blasen ins Feld.

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Trompeter die haben's geblasen;
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Soldaten marschieren in's Feld,
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Sie ziehen dem Feinde entgegen,
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Zum Streite wohl sind sie bestellt.

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Dort drunten in's Kaisers Schloßgarten,
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Da stehet ein Feigenbaum,
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Da müssen wir alle ablegen
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Pistolen und Säbelgezeug.

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Ach Schätzel was hab ich erfahren,
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Daß du jetzt willst reisen von hier,
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Willst reisen in's fremde Land nause,
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Wann kommst du wieder zu mir?

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Und da ich im fremden Land drausen war,
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Gedacht ich gleich wieder nach Haus;
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Ach wär ich zu Hause geblieben,
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Und hätte gehalten mein Wort!

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Und als ich wieder nach Hause kam,
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Feins Liebchen stand unter der Thür;
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Gott grüß dich du Hübsche, du Feine,
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Von Herzen gefallest du mir!

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Ich brauche dir nicht zu gefallen,
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Ich habe schon längst einen Mann,
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Dazu einen hübschen und feinen,
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Der mich wohl ernähren kann.

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Was zog er aus seiner Tasche?
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Ein Messer war scharf und war spitz;
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Er stach es feins Liebchen ins Herze,
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Das rothe Blut gegen ihn spritzt.

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Er zog es gleich wieder herause,
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Vom Blute da war es so roth,
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Hast du nun gelitten die Schmerzen,
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So will ich auch leiden den Tod.

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Da nun das Liebchen gestorben,
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Wo begrabt man sie denn hin?
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In ihres Vaters Schloßgarten,
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Wo weiße Lilien blühn.

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Was zog er da von seinem Finger?
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Ein Ringlein, das war von Gold,
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Er warf es sogleich in das Wasser,
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Die Wellen, die geben den Schein.

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Schwimm hin, schwimm hin, du Ringlein,
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Schwimm hin in das Meer hinein,
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Und grüß mir mein Vater und Mutter,
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Und sag, ich komm nimmermehr heim.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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