Des Schneiders Feyerabend und Meistergesang

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Ludwig Achim von Arnim: Des Schneiders Feyerabend und Meistergesang (1806)

1
Und als ich saß in meiner Zell und schreib,
2
Da kamen drey Beginnen
3
So alte heil'ge Weib.
4
Sie lasen mir vor
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Den schnellen grimmen Tod.
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Ich bin ein armer Schneider,
7
Und leid' es wohl durch Gott,
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Da hatt ich armer Schneider
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Für sie und mich kein Brod.

10
Die Erste spann, den Faden dreht die Zweyt,
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Die Dritte hielt die Scheere
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Zum Schneiden schon bereit,
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Sie lasen mir vor:
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Zum schnellen grimmen Tod
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Bereit dich armer Schneider,
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Das Sterben thut dir Noth,
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Dieweil du armer Schneider
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In deinem Sack kein Brod.

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Und als ich hungrig saß in meiner Zell und schreib,
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Da stiegen durch die Decke
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Drey junge schöne Weib,
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Sie sangen mir vor
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Wohl von der Ewigkeit,
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Da hätt ich armer Schneider
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Noch lange lange Zeit.
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Gebt Brod mir armen Schneider,
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Mein Weg ist noch gar weit.

28
Der Erste trug ein Speer, ein Saitenspiel die Zweyt,
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Die Dritt ein Lorbeerzweig,
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Das war die Ewigkeit.
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Die erste sang mir vor:
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»der Speer in gutem Streit,
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Der trägt das Lorbeerzweiglein,
34
Der trägt die Ewigkeit!«
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O hätt ich armer Schneider
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Ein Stärkung in dem Streit.

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Des zürnt die alte Katz und knappet mit der Scheer,
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Da steckt ich sie zum Fenster naus,
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Auf meinem guten Speer,
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Da las ich ihr vor:
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»dein schneller grimmer Tod,
42
Trifft nicht mich tapfern Schneider,
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Ich fechte wohl um Gott,«
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Wer giebt mir müden Schneider
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Zur Stärkung nun ein Brod.

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Da reichte mir die Dritt das Lorbeerzweigelein,
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Mein Haupt das war zu dicke,
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Der Lorbeer war zu klein.
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Die Zweyte sang mir vor:
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»hätst du die Harfe mein,
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Es müst' der Kranz sich weiten,
52
Schlüg' Gottes Finger drein!«
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Ach hätt ich armer Schneider
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Ein Trünklein rheinschen Wein.

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Da trat in meine Zell ein schönes Jungfräulein,
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Was trug sie auf den Händen?
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Ein Becher Gotteswein.
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Der sang ich wohl vor,
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Mein Harfe klang auch rein,
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Der Lorbeer thät sich breiten,
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Schloß uns in Schatten ein,
62
Sie warf mir armen Schneider
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Ins Glas ihr Fingerlein.

64
Nun sitze ich in meiner Zell und sing
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Und leere meinen Becher,
66
Da klingt der Buhlen Ring.
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Den Alten sing ich vor,
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Sie schlafen nickend ein,
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Mein Lieb nimmt ihren Faden,
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Spinnt alte Zeit hinein,
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Und spinnt mir armen Schneider,
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Ein Brauthemd obendrein.

73
Die Alte, die zum Fenster naus nun knappet mit der Scheer,
74
Die ist der Werkstadt Zeichen,
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Lockt gut Gesellen her.
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Ich singe ihnen vor,
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Wie doch der grimme Tod
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Nur sey ein Bärenhäuter,
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Vor Sang und Streit, und Gott,
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Das bracht mich frommen Schneider
81
Wohl wieder an das Brod.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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