7. Romanze

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Ludwig Achim von Arnim: 7. Romanze (1806)

1
Kein Hochzeit je mit solcher Pracht,
2
Gehalten ward bis tief in die Nacht,
3
Viel Lieder und viel Saitenspiel,
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Man hörte in dem Schlosse viel,
5
Und alles bey dem Tische saß,
6
Man war da fröhlich ohne Maaß.

7
Sie saßen da im großen Saal,
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Alsbald da sah man überall,
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Die Männer sahens und die Frauen,
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Sie konnten beyde es anschauen,
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Wie etwas durch die Bühne stieß,
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Ein Menschen-Fuß sich sehen ließ.

13
Blos zeigt er sich bis an die Knie,
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Kein schönern Fuß sie sahen nie,
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Der Fuß wohl überm Saal erscheint,
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So schön und weiß wie Elfenbein,
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Der Ritter still saß bey der Braut,
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Die schrie auf und schrie laut.

19
Der Ritter, als er den Fuß ersah,
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Erschrack er und ganz traurig sprach:
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»o Weh, o Weh, mir armem Mann!«
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Und wurde bleich von Stunde an.
23
Man bracht ihm sein kristallnes Glas,
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Er sah es an und wurde blaß.

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Er sah in dem kristallnen Pokale,
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Ein Kind das schlief beym lauten Mahle,
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Es schlief vom Weine überdeckt,
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Ein Füßchen hat es vorgestreckt,
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Doch wie der Wein getrunken aus,
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So schwand das Kindlein auch hinaus.

31
Der Ritter sprach: »Der großen Noth,
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In dreyen Tagen da bin ich todt.«
33
Der Fuß, der war verschwunden da,
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Ein jeder trat der Bühne nah,
35
Wo doch der Fuß wär kommen hin,
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Kein Loch sah man da in der Bühn.

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All Freud und Kurzweil war zerstört,
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Kein Instrument wurd nimmer gehört,
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Aus war das Tanzen und das Singen,
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Turnieren, Kämpfen, Fechten, Ringen,
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Das alles still darnieder leit,
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Die Gäste fliehn in die Felder weit.

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Die Braut nur bleibt bey ihrem Mann,
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Der Ritter sieht sie traurig an;
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»gesegne dich du edle Braut,
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Du bleibest bey mir, hast mir vertraut.«
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»durch mich verliert ihr euer Leben,
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In geistlichem Stand will ich nun leben.

49
Das heilge Oel empfing er dann,
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Nach dreyen Tagen rief der Mann:
51
»mein Herr und Gott in deine Händ,
52
Ich meine arme Seele send,
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Mein Seel thu ich befehlen dir,
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Ein sanftes Ende giebst du mir.«

55
Ein Denkmahl ward ihm aufgericht,
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Von seiner Frau aus Liebespflicht,
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Dabey sie baut die Zelle klein,
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Und betet da für ihn so rein:
59
Oft betend kam die Meerfey hin,
60
Sie sprach mit ihr aus gleichem Sinn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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