1. Jungfrau und Wächter

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Ludwig Achim von Arnim: 1. Jungfrau und Wächter (1806)

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Von hoher Art ein Fräulein zart,
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Hört ich dem Wächter klagen,
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Aus Herzens-Qual, zum erstenmal
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Wollt sie die Liebe wagen,
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Sie sprach: »Geselle mein Ungefälle
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Ist nah und bringt mir Schmerzen,
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Ach Wächter gut, ein argen Muth
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Trag ich in meinem Herzen.«

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»einem werthen Mann, dem wünsch, ich an,
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Viel Glück und Heil mit Treuen,
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Sein Tugend groß findt niemand blos,
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Auf ihn ist wohl zu bauen,
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Daß er wohl sey alles Wandels frey,
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Ein Mann von hohen Ehren.«
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»o Wächter mein, mag es wohl seyn,
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So hilf mir Freude mehren.

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Gut, Wächter! ich kann ihn ohne dich,
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In mein Gemach nicht bringen,
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O wolle mir nach meiner Begier,
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Mein Leid nun helfen wenden,
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Ich sag fürwahr, daß immerdar
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Mit Gab ich dir's vergelte,
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Kömmt er herbey, gut Wächter frey,
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Den Gast gen niemand melde.«

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Der Wächter sprach: »Zart Frau ich lach,
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Thut mirs nicht übel kehren,
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Meine Treu ich gab auf all mein Hab
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Ein Eid mußt ich wohl schwören,
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Und mit der Hand ich mich verband,
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Des Herren Schad zu wenden,
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Frau, daß ich thu, muth mir nicht zu,
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So darf mich niemand schelten.

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Mein Herr gebot mir auf den Tod,
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Da er von hier wollt scheiden,
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Zu wachen wohl, ich Wächter soll
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Es thun bey meinem Eide,
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Er sprach: Mit Schall sing, ruf und kall,
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Sey munter an der Zinnen,
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Hab in der Hut, mein Schloß und Gut,
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So lang ich bin von hinnen.

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Er sprach noch mehr, bey Treu und Ehr,
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Thu's ehrlich mit mir meinen,
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Wollt hier ein Gast eindringen fast,
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So werf ihn todt mit Steinen,
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Falsch Weg und Steg mit Sorg verleg,
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Den Schaden mein zu wehren,
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Hüt Wächter recht, getreuer Knecht,
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Dein Gut will ich dir mehren.

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Frau, ihr wißt wohl, daß ich nicht soll,
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Thun Schaden mit Untreuen,
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Dem Herren mein, es brächt mir Pein,
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Und würd mich selbsten reuen.«
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»deinem Ungefäll, Wächter Gesell,
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Will ich nun wohl vorkommen,
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Folg meiner Lehr, mein Jungfrau Ehr
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Soll mir seyn unbenommen.

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Dazu dein Leib soll durch mich Weib,
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Mit Lieb wohl seyn behütet,
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Du siehest sonst das Mägdlein nie
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Die hoch dein Lieb vergütet,
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Der werthe Gast dein Leid und Last
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Wird nehmen mit von hinnen,
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Das Mägdlein gut, bringt dir den Muth,
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Laß uns all drey gewinnen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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