Die beständige Liebe

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Christian Gotthold Spindler: Die beständige Liebe (1745)

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Unsre keuschen Liebes-Flammen,
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So vom reinsten Himmel stam̃en,
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Nähret die Beständigkeit;
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Diese redlich frommen Triebe,
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Diese Sehnsucht, treuer Liebe,
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Grünet endlich mit der Zeit.
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Liebster Schatz! du mein Vergnügen!
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Zeit und Treu wird endlich siegen.

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Du bist überzeugt, o! Schöne,
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Meine schwachen Dichter-Thöne
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Singen nur von deinem Werth;
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Deine reitzend schöne Jugend,
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Anmuth, Frömmigkeit und Tugend
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Ist, was Geist und Kiel verehrt.
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Wüßt ich nur in ächten Bildern
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Dich nach Würden abzuschildern!

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Unsre Liebe stammt von oben,
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Laß so Neid, als Mißgunst, toben,
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Laß sie immer Zeder schreyn;
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Kind, erdulde doch gelassen
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Jhr verdammt und freches Rasen,
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Du bist doch und bleibest mein.
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Endlich nach Gedult und Warten
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Blüht der schöne Hoffnungs-Garten.

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Zwar, die überhäuffte Kränckniß
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Hält uns offt ein Leich-Begängniß,
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Ehe man es kaum gedacht;
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Ja, der blinde Ball vom Glücke,
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Ja, das widrige Geschicke
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Hat es offt zunicht gemacht,
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Und ein blosses Nichts auf Erden
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Kan an uns zum Hencker werden.

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Doch, ein fromm gelaßnes Schweigen
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Wird uns Trost und Labsal zeigen,
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Da auch unsre Zärtlichkeit
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Durch derselben Ancker sieget,
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Und in stillster Ruhe lieget,
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Denn wird unser Hertz erfreut,
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Und so treu verliebten Seelen
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Kan ihr Wunsch ohnmöglich fehlen.

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Scheinen unsrer Wohlfahrt Sterne
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Jtzo gleich in weiter Ferne,
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Endlich kommt das frohe Licht,
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Wenn nach Hagel, Blitz und Wettern,
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Wenn nach Donner, Schlag und Schmettern,
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Phaeton die Wolcken bricht.
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Wenn, eh man es kaum gemeinet,
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Uns die hellste Sonne scheinet.

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Siehe nun, mein Hertz! und Leben!
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Wie ich mich dir gantz ergeben,
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Wie ich gegen dir gesinnt;
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O! ich wollte mehr erwehnen,
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Doch ich scheue deine Thränen,
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Allerliebster Schatz! mein Kind!
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Denn ich weiß, mein Angedencken
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Wird dich offt empfindlich kräncken.

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Nun wohlan! ich bin der Deine
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Bleibe du nur auch die Meine,
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Bis so Geist als Cörper bricht.
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Meine Treu soll ewig grünen,
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Dir will ich in Ehrfurcht dienen.
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Ja diß will der Sehnsucht Pflicht,
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Bis durch Fäulnis in der Erden
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Wird mein Hertz zu Moder werden.

(Spindler, Christian Gotthold: Unschuldige Jugend-Früchte. Leipzig, 1745.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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