Was leuchtet durch die Nacht so helle

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Ludwig Achim von Arnim: Was leuchtet durch die Nacht so helle Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Was leuchtet durch die Nacht so helle
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Und weckt das Haus mit heilgem Graus?
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Ein Kind tritt aus des Himmels Schwelle
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Und klopft an's ird'sche Lebenshaus.

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Wer hat die Thür so fest verschlossen,
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Daß es so lange harren muß?
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Das Kindlein klopfet unverdrossen
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Der Mutter scheint's ein Todesgrus.

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Mit Schmerz und Tod hat sie gerungen
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Weil ihr das Kind verloren schien,
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Und unverhofft ist's eingedrungen,
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Sie sieht in ihm ihr Leben blühn.

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Ja, wo ein Kind der Welt geboren,
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Da scheint die Nacht wie Tag so klar,
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Die Nachbarn grüßen an den Thoren,
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Als finge an ein neues Jahr.

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Nur Hirten kennen ganz den Segen,
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Der durch Geburt die Welt erneut,
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Wenn sie das Lamm zur Mutter legen,
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Die Mutter sich am Anblick freut.

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Der Anfang lag im Ew'gen Geiste,
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Im Menschenwillen lag er nicht,
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Und wie der Hochmuth sich erdreiste,
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So bildet Kunst kein Angesicht.

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Ein jedes Kind ist neuerfunden
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Und überrascht das Mutteraug',
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Verborgne Zukunft wird entbunden
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In seinem ersten Lebenshauch.

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Die Mutter freut sich nun der Erde,
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Von der sie schon der Schmerz erhob,
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Und schnell vergessen ist Beschwerde
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In dieser

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Es fließen ihre Wonnezähren,
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Sie tritt zurück ins
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Das Weib wird selig durch Gebären
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Und die Erlösung ist so süß.

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Doch
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Durch Gottes Geist, durch Engelgrus,
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Erträgt, was heut
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In ihres Kindes erstem Kuß:

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Was Hirten Engeln nachgesungen,
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Was himmlisch ihr verkündet ist,
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Daß sie von Gottes Geist durchdrungen,
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Und daß ihr Kind der

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In Freudentaumel würde brechen
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Das stärkste Herz in Weibesbrust,
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Wenn Engel aus dem Himmel sprechen,
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Dein Kind ist Gott, des Himmels Lust.

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Nur eine Jungfrau kann's ertragen,
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Der ird'sche Lust noch unbewust,
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Daß diese Weihe heilger Sagen
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Jetzt ruht an ihrer keuschen Brust.

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Maria selbst muß sich in Sorgen
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Zerstreun beym heilgen Kind im Stall,
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Daß sie erträgt den freudgen Morgen,
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Sie winket still dem Hirtenschall.

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Sie winkt, daß sie ihr Kind nicht wecken
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Mit ihrem Jubel auf der Flur,
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Sie muß das Kind im Frost zudecken,
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Den Frühling menschlicher Natur.

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Es kann die Welt noch nicht erlösen
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Von ihres Winters harter Zeit,
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Sie dient noch neben ihm dem Bösen,
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Zur Prüfung dient ihr noch der Streit;

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Und alle Weisen werden kommen
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Und biethen ihm Geschenke dar
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Und haben doch noch nicht vernommen,
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Was dieses Kind urewig war.

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Allmälig wird die Welt sich stärken
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Zu schaun sein göttlich Angesicht,
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Wenn sich in treuer Liebe Werken
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Das Auge weiht dem neuen Licht.

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Doch keiner kann voraus verkünden
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Wann diese Welt dem
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Wann
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Mit Richterhand die Hülle streift.

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Wer wagt von uns mit irdschen Ohren
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Zu hören dieses Tags Gebot,
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Wenn aus den hohen Himmelsthoren
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Vernichtung unsrer Erde droht,

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Wenn ewger Frühling dort geboren,
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Und hier des Winters ewges Reich,
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Und die
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Sich

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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