Flammenruh nach Weisheit streben

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Ludwig Achim von Arnim: Flammenruh nach Weisheit streben (1806)

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Flammenruh nach Weisheit streben
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Senkt den Jünger tief in Schlaf,
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Und es glüht sein innres Leben,
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Als wenn Blitz die Tanne traf.
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Festlich statt der schwarzen Krone
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Trägt sie einen Flammenkranz,
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Weihrauch träufelt von dem Throne,
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Halme wirbeln rings im Tanz.

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Sonst da dräuten ihm die Bilder,
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Schrecklich roth und blau gemalt,
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Und die Zeichen noch viel wilder
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Und das Thier in Flaschen schalt;
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An den tausend Messingscheiben,
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Wo das Blei am Faden hängt,
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Mußt er sich erst müde treiben,
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Eh der Schlaf ihn süß umfängt.

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Liebchen kommt nun ihn zu küssen,
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Aber er vernimmt sie nicht,
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Himmlisch mild die Sterne grüßen
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Und er steht in vollem Licht,
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Und sie setzt sich ihm zu Füßen
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Und umfasset seine Knie,
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Sollt sie ihn nicht wecken müssen,
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Er erwachet sonst wohl nie.

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Leise kam sie erst geschlichen,
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Doch nun schreit sie ihm in's Ohr,
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Und der Schlaf ist nicht gewichen,
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Es ist ein verschloßnes Thor,
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Und sie nimmt die Bücher alle,
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Die ihn magisch tief versenkt,
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Hat die mächtgen Geister alle
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In des Ofens Gluth gesenkt.

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Und der Ofen wollt sich wundern,
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Schüttelt mit dem alten Kopf,
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Und aus allen alten Plundern
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Stieg so mancher grüne Knopf;
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Wüst im Kopfe, wild zum Schelten,
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Wacht er auf und schaut sie an,
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Die gern Alles will entgelten,
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Wenn sie ihn nur retten kann.

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Aber er mit wilden Tritten
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Stößet Liebchen an die Erd,
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Höret nicht auf ihre Bitten,
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Sieht die Gluth nur auf dem Heerd:
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»o ihr Zeichen, ihr verbrennet,
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Nun ihr sie mir zugeführt,
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Ach woran wird nun erkennet
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Ob die rechte ich erspürt!«

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Wärst Du Mädchen mir ganz eigen,
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Wie ein Mädchen lieben muß,
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Ganz geduldig Dich zu zeigen
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Wär gewesen Dein Genuß;
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Wär ich Mädchen Dir ganz eigen,
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Nimmer zweifelte ich mehr,
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Sondern müßt die Kniee beugen,
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Und mein Herz wär mir nicht schwer.

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Herrschen nicht und auch nicht dienen,
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Zweifel war mein Weltgeschick,
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Nur beschwören, nicht verdienen
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Läßt sich jedes Götterglück:
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Weiber-Vorwitz, wer beschwört dich,
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Da es selbst nicht Lieben kann,
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Denn die Liebste selbst, sie stört mich,
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Da ich war in ihrem Bann.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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