Die Pfalz

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Achim von Arnim: Die Pfalz (1806)

1
Im See auf Felsenspitzen
2
Wird bald Dein Schloß, die Pfalz,
3
So eckig weiß Dir blitzen,
4
Als wär's ein Körnlein Salz,
5
Und rings in dem Kessel von Felsen,
6
Da siedet das Wasser am Grund,
7
Ich rath es Euch Wagehälsen,
8
Verbrennet Euch nicht den Mund.

9
Es glänzen da sieben Thürme,
10
Von sieben Strudeln bewacht,
11
Und wie der Feind sie stürme,
12
Der alte Thürmer lacht;
13
Die alten Salme lauern
14
Auf frische Helden voll Muth,
15
Wenn Heldenbräute trauern,
16
Da füttern sie ihre Brut.

17
Denn sieh, die Schiffe kommen
18
Gerüstet bis zum Schloß,
19
Gar prächtig angeschwommen,
20
Da trifft sie Wirbelstoß,
21
Und wie ein Rad der Mühle,
22
So drehn sie sich geschwind,
23
Als wär' es nur zum Spiele,
24
Bis sie verschwunden sind.

25
Doch willst Du einen retten,
26
Dem wirft der Thürmer dreist
27
Um den Leib den Haken an Ketten
28
Und ihn hinüber reißt;
29
Zeigt ihm des Schlosses Thüre,
30
Doch wer nicht fliegen kann,
31
Der braucht der Leitern viere,
32
Eh er zur Thüre hinan.

33
Und ist er eingetreten,
34
Da stehn vier eiserne Mann,
35
Die stechen, eh er kann beten,
36
Hält sie der Thürmer nicht an;
37
Sie scheuen keinen Degen
38
Und haben doch kein Herz,
39
Stahlfedern sie bewegen,
40
Sie sind gegossen aus Erz.

41
Und ist er da vorüber
42
Im grünen ummauerten Platz,
43
Da wird ihm wohler und trüber,
44
Als wär' er bei seinem Schatz,
45
Da stehen die Kirschen in Blüthen
46
Und Kaiserkronen in Glanz,
47
Die Nachtigal singet im Brüten,
48
Kein Mädchen führt ihn zum Tanz.

49
Der Thürmer nimmer leidet
50
Ein Mädchen in der Pfalz,
51
Und ist sie als Ritter verkleidet,
52
So kostet's ihr den Hals.
53
Doch hat er den Bart gefühlet,
54
Dann läßt er ihn zu Dir ein,
55
Zum Schloßhof, wo Wasser spielet,
56
Mit buntem Strahlenschein.

57
Da fließet ein Brünnlein helle,
58
Das wie der Himmel rein,
59
Wie auch der See anschwelle
60
Von irdisch gelbem Schein;
61
Der Blumen stehen da viele
62
Am schwarzen Gemäuer entlang
63
Und eine kleine Mühle
64
Steht mitten in dem Gang.

65
Die Mühle drehet und netzet
66
Den Schleifstein grau und fein,
67
Ein Alter schleifet und wetzet
68
Beständig auf dem Stein:
69
Da schleifet er alle Stunden
70
Ein Heldenschwert am Stein,
71
Und hat nicht Zeit gefunden,
72
Daß alle würden rein.

73
Nun Fremdling geh nur vorüber,
74
Dir springen die Funken in's Aug',
75
Bald wäre es Dir viel lieber
76
Du lägst bei den Andern auch,
77
Denn keiner kömmt zurücke,
78
Der einmal hier oben war,
79
Es sei denn, daß er sich bücke,
80
Und daß ihm gebleicht sein Haar.

81
Die Zimmer des Schlosses sind enge,
82
Gewölbt von Doppel-Kristall,
83
Und blankes Silbergepränge,
84
Das spielt mit den Strahlen Ball;
85
Da sitzet auf einem Löwen
86
Des letzten Grafen Sohn,
87
An solchen gefährlichen Höfen
88
Ist das der sicherste Thron.

89
Er denkt an Vater und Mutter
90
Und an des Unsterns Nacht,
91
Das ist ein Heldenfutter,
92
Das nährt des Herzens Macht;
93
Da sieht er in die Schrecken
94
Wie in Alltäglichkeit,
95
Und läßt sich nimmer necken
96
Von falscher Sorglichkeit.

97
Er ist so sicher in Kräften,
98
so herrlich von Angesicht,
99
So glücklich in allen Geschäften,
100
Des Unsterns achtet er nicht;
101
Ihm scheint der Tag der Sage
102
Schon freudig durch die Nacht,
103
Die Nacht vor'm jüngsten Tage
104
Wird schweigend zugebracht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.