Aloys

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Ludwig Achim von Arnim: Aloys (1806)

1
»wer rasselt mit den Ketten
2
Auf Arburg in dem Schloß,
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Eilt keiner ihn zu retten,
4
Sein Blut schon röthlich floß?«
5
Die Folter hats getrunken,
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Er rufet: Tröste dich,
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Der Tag ist bald versunken
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Auf Rosen liege ich.

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Ihr grüßt mich Abendstrahlen
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Gefärbt mit meinem Blut,
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Die Rache mir zu malen,
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Zu wecken meinen Muth,
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Ich höre Abendlieder
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In einsam stillen Thal,
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Ich sehe
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Am Berg im Abendstrahl.

17
O sieh die Alpenrose,
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Der lieben Freiheit Bild,
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Mein
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Uns deckt das blaue Schild,
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Das milde ausgespannet
22
Der Freiheit Streiter lohnt,
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Wer von der Welt verbannet,
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Auf hohen Alpen thront.

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Wir haben treu gestritten
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Für unser heilig Recht,
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Und was wir hier erlitten,
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Gerechte Nachwelt rächt:
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Auf denk der ältern Brüder,
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Der Todten Seligkeit,
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Wir sehen heute wieder
32
Den

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Du siehst das Eiland scheinen,
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So still im milden See,
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Drei Palmen zu vereinen,
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Auf seiner stillen Höh;
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Es grünen ihre Blätter
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Im Tode Siegertrost,
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Die Freiheit siegt im Wetter
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Im Blitzstrahl und im Frost.

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Es gehen in dem Schatten
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Die drei vom alten Bund,
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Was sie geschaffen hatten
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Geht wahrlich nicht zu Grund:
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Das Alphorn soll erschallen,
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Zum hohen Strafgericht,
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Die Feinde sollen fallen,
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Wenn unsre Kette bricht.

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Mein
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Spricht
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O sehe ich beschwöre
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Des Hochgerichtes Schein:
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Da winket keine Palme,
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Es rauscht das gelbe Laub,
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Am Felsen dürre Halme,
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Sind schon der Winde Raub.

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So sollen wir verwehen,
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Wenn wir hier nicht bekannt,
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Da sollen wir vergehen
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Wenn wir sie nicht genannt:
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Die sich in
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Mit uns zum neuen Bund
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Verschworen an der Stelle,
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Wo

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Wir können nicht entfliehen
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Drei Pfeiler seh ich stehn,
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Die Todtentänze ziehen,
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Mein Weib nur möcht ich sehn:
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Sieh das ist unser Himmel,
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Da steigen wir hinan,
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Der Geister bunt Gewimmel,
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Schaut uns schon grüßend an.

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Vergebens sind gestorben
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Die Edlen in dem Kampf,
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Der Feind hat schlau erworben,
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Den Preis von unserm Kampf:
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Verträge schlau gebrochen,
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Durch Falschheit uns besiegt,
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Die Freiheit ist gebrochen,
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Ihr Held in Ketten liegt.

81
Ach alles ist verloren,
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Die Freiheit zog nun fort
83
Wo sie vom
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Genährt in heil'gem Ort:
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Dem Sommer folgen Schauer,
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Der Berge Haupt wird weiß,
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Der Winter auf der Lauer,
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Berühret sie schon leis.

89
Der Winter wird vergehen,
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Spricht
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Der Frühling wird erstehen,
92
Und Rache füllt die Brust:
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Und wenn wir auch gestorben,
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Es fließ der Henker Blut,
95
Die Freiheit jetzt erstorben,
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Ersteht aus unserm Blut.

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Bewaffnet sind die Schaaren,
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Der Morgenstern ihr Hort,
99
Die Nacht wird sie bewahren,
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Sie ziehn von Ort zu Ort.
101
Dann sammeln sich die Brüder,
102
Im heil'gen Gotteshaus,
103
Dann flammen hohe Lieder,
104
Die Freiheit hoch hinaus.

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Sie werden eingeweihet
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Zum Leben und zum Tod,
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Die Fremden bald zerstreuet,
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Ein Fremdling alle Noth.
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So sterben wir für jene
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Und wachen herrlich auf.
111
Der Freiheit höchste Töne,
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Sind Auferstehungs-Kauf.

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Nur das will mich betrüben,
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Ich lasse meine Braut,
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Mein
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Verlasse meine Braut,
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Die Treue mir geschworen,
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Auf's Schwert, das sie mir reicht,
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Ich hab das Schwert verloren,
120
Auch Treue weicht vielleicht.

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Wer rasselt mit den Ketten
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Auf Arburg in dem Schloß,
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Eilt keiner ihn zu retten,
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Sein Blut schon röthlich floß?
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Sein
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Als Wächter ist sie nah,
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Verkleidet ungestöret,
128
Die Rettung sie ersah.

129
Sie steiget in das Zimmer,
130
Wo beide eng bewahrt,
131
Die Rose bei dem Schimmer,
132
Den noch der Mond bewahrt,
133
Still lößt sie ihre Ketten
134
Sie folgen ihr so gern,
135
Sie hoffen sich zu retten,
136
Er siehet seinen Stern.

137
Sie steigen auf und nieder,
138
Die
139
Auf geistigem Gefieder
140
Der feuchte Nebel streicht.
141
Sie redet keine Worte,
142
Mit ihrem Bräutigam
143
Sie horcht an jedem Orte,
144
Ihr Haar weht ohne Kamm.

145
O
146
Du bist es liebe Braut
147
Ein Engel ist nicht schöner!
148
Sie spricht: Nur mir vertraut,
149
Und bin ich auch verblichen
150
Aus Gram und Angst um dich,
151
Die Ketten sind gewichen,
152
Die Freiheit rette ich.

153
Doch bald scheint sie verschwunden
154
Zum Morgen ging ihr Lauf,
155
Die Täuschung reißt die Wunden
156
Der alten Hoffnung auf:
157
Sie wagen nicht zu regen,
158
Den Fuß vom Boden auf,
159
Sie beten Abendsegen,
160
Da geht die Sonne auf.

161
Sie staunen, zweifeln, fassen,
162
Die Brüder an im Wahn,
163
Die Brüder sie umfassen
164
Auf ihrer Siegerbahn.
165
Es fehlte noch der Führer,
166
Zum kühnen Überfall,
167
Und
168
Begrüßt des Alphorns Schall.

169
Die Freunde ausgezogen
170
Vom hohen Alpenland,
171
Vom Feinde fortbetrogen,
172
Führt jetzt des Helden Hand:
173
Und wer ihn hat geführet
174
Aus finsterm Schloß den Held,
175
Die Liebe hat geführet,
176
Die Freiheit in die Welt.

177
Sein Liebchen ruht im Arme,
178
Auf
179
Doch ach, daß Gott erbarme,
180
Zugleich des Todes Braut:
181
Die Angst hat sie erdrücket,
182
Der Freiheit reicht der Held,
183
Zur Leiche hingebücket,
184
Den Arm, den sie noch hält.

185
So stirbt die Mutter kreißend,
186
Ihr Kindlein in dem Schooß,
187
Die Lieb zum Himmel reißend
188
Bleibt Freiheit nackt und blos:
189
O Held auf dir gebauet
190
Stehn wir am Felsenrand,
191
O Fels auf dir vertrauet
192
Der Freiheit Mutterland.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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