Der Kaiser

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Ludwig Achim von Arnim: Der Kaiser (1806)

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Der Kaiser flieht vertrieben,
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Flieht das eigne Land;
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Das Heer ist aufgerieben
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Fliehend seine Schand.
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Nur
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Die er oft verkannt,
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Denn streng sind, die uns lieben,
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Noth hat Lieb erkannt.
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Er grüßt die alten Tage
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Seiner Jugendzeit,
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Vergißt der Zeiten Plage
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In Vertraulichkeit.

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Zum Fluß ist er gekommen,
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Findet keine Brück,
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Da wird sein Herz beklommen,
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Er kann
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Da kommt ein Schiff mit Netzen:
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»schiffer nimm zum Lohn,
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Willst du uns übersetzen,
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Meine goldne Kron.«
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Der Schiffer hat genommen
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Seine goldne Kron
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Doch eh er über kommen,
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War der Feind dort schon.

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»so lieb dir ist dein Leben,
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Fahr zurück ans Land,
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Den Schifflohn will ich geben
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Mit der eignen Hand.«
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Der Kaiser droht zu schlagen
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Mit dem goldnen Stab,
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Doch schnell zurückgetragen,
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Ihn dem Schiffer gab.
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Jetzt sah er wie die Feinde
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Ihn am Ufer sehn,
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An Freundes Busen weinte,
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Wollte schier vergehn.

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»ich hab nichts mehr zu geben,
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Als den Mantel mein,
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Der giebt mir Noth im Leben,
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Bald auch Todespein:
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War meiner Noth Beglücken
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Eurer Tage Preis,
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Den Purpur reißt in Stücken,
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Geb ihn allen preis!«
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Er faßt soviel er konnte,
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Jeder riß sein Stück,
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Es auf dem Herzen sonnte,
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Wie ein Stern im Glück.

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Die Stücke heften Alle
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Auf die Kleider fest,
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Und vor dem Feind mit Schalle
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Halten Ordensfest.
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Dann stellen sie sich Alle
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Rings zum Kaiser treu,
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Daß er von einem Walle
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Rings geschützet sey.
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Der Purpurstern kann blitzen,
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Wärmt auch wohl das Herz,
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Kann
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Vor der Pfeile Erz.

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»jetzt flieht!« befiehlt der Kaiser,
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»flieht, ich sterb allein!«
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Sie rufen all zum Kaiser:
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»das soll nimmer seyn,
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Der Purpur ist zerrissen,
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Aus ist nun
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Vor
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Bald mit
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Wir wollen hier vergehen,
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Froh des ewgen Muths;
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Aus
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Rächer

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Die Feinde sehn sie blicken,
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Sehn die Sterne hell,
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Und ihre Pfeile drücken
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In die Herzen schnell.
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Nach aller Edlen Falle,
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Fällt der Kaiser auch,
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Sein Segen über alle
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Ist sein letzter Hauch.
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Die blutgen Purpurstücke
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Halten frisch die Farb,
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Der Feind ist groß im Glücke,
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Nicht den Schmuck verdarb.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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