Hippolita

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Ludwig Achim von Arnim: Hippolita (1806)

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Nur einen Tag mir dauert
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Der Ehrenblume Pracht,
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Das hab' ich lang betrauert,
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Sie haben mich verlacht.
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Warum so kurz die Freude,
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Warum so lang das Leid?
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Bey meinem Hochzeitkleide
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Liegt jetzt mein Trauerkleid.

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Hier war ein herrlich Wesen
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Von Reitern schön und kühn,
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Und der mich hat erlesen
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Vor allen thäte ziehn;
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Sie folgten ihm doch alle,
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Wenn er vor ihnen ritt,
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Bey dem Trompetenschalle
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Lief auch mein Blut so mit.

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Ich fuhr in hohem Wagen,
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Mein Herr, der führte ihn,
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Die Rappen wiehernd jagten,
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So hell die Sonne schien,
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Ich sah noch fern die Hütte,
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Zum Himmel stieg ihr Rauch;
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Aus ihrer stillen Mitte
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Ich zog, verflog nun auch.

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Die Kirche frisch gestreuet
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Mit buntem, krausen Sand,
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Vom leisen Tritte schreiet,
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Ich reiche ihm die Hand.
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»nicht Mutter weint gebeuget,
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Der Ring ist golden ganz.«
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Doch sie den Goldschaum zeiget,
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Auf manchem Sterbekranz.

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Der Priester trat zurücke,
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Mein Mann mich hielt so lieb,
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Mich grüßten alle Blicke,
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Das Blut zur Wange trieb;
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Mein Glück, wer kann es fassen,
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Es faßte mich so fest,
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Und hat mich doch verlassen,
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Mich so verlassen läßt.

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Ich träumte keine Sorgen,
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Mein Aug' der Sonne lacht;
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Wo bliebst du Lieber im Morgen,
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Eh ich noch war erwacht?
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Wo bliebst du Lieber im Morgen,
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Es hat dich keiner gesehn;
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Mein Kind blieb mir verborgen,
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Ich sah es nicht in den Wehn.

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Ich sitze zwischen Seen
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In meiner Eltern Haus,
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Muß dienen und muß gehen
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Mit Pilgern ein und aus;
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Viel Knaben Mitleid haben
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Mit meiner Traurigkeit,
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Ihr Trost könnt mich wohl laben,
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Ach, blieben sie nur heut!

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Muß selber ihnen reichen
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Den Pilgerstab und Huth,
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Die Hand ich möchte reichen,
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Dem, der so traurig thut.
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Doch könnte er wohl meinen
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Ich liebte ihn wohl gar,
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So aber muß ich weinen
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Das ganze, ganze Jahr.

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Die Pilgersleut vergaßen
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Den Rosenkranz im Haus.
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Sie kamen wieder, saßen,
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Bey diesem Ohrenschmaus;
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So schön sie hörten singen
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Der Wirthin Töchterlein,
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Ganz heimlich zu ihr gingen
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Wohl in das Kämmerlein.

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Sie gaben ihr die Hände,
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Und nahmen sie auch mit,
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Daß sie zur Wallfahrt wende
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Den hohen, edeln Schritt,
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Zu jenen heil'gen Gipfeln,
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Die Gottes Lieb' erbaut,
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Wo in der Bäume Wipfeln
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Ihr Schmerzensbilder schaut.

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Da fand sie leer ihr Leiden,
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Sie fand ihr Herz so voll,
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Sang da zu aller Freuden,
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Daß hoch die Kirch erscholl;
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Viel Knaben knieten nieder,
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Die Noten halten ihr,
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Sie dienen ihr wie Brüder,
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Und wie die Engel schier.

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Darum viel Pilger glauben,
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Cäcilien zu sehn,
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Mit Ros' und blauen Trauben
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Sie da umwinden schön;
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Ein Lämmlein zu ihr führen
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An einem rothen Band,
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Mit hohen Kerzen zieren
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Der Kirche dunkle Wand.

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Da fühlet sie ein Wehen,
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Die Taube fliegt zu ihr,
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Mit tiefster Ehrfurcht sehen
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Die Lästrer auf zu ihr;
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Mit hellen Blicken schauet
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Der Muttergottes Bild,
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Wer sich ihr ganz vertrauet,
104
Dem zeiget sie sich mild.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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