Was ist's, das wir in Ahnung fühlen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Ludwig Achim von Arnim: Was ist's, das wir in Ahnung fühlen Titel entspricht 1. Vers(1815)

1
Was ist's, das wir in Ahnung fühlen
2
Und was erhöhet jede Stirn?
3
Im Herzen dunkle Wurzeln wühlen,
4
Die Knospen brechen auf im Hirn;
5
Was ist in dieser Nacht geschehen,
6
Das uns so freudig will umwehen?

7
Ob wir in süßer Liebe wachten
8
Vor manchem Jahr um diese Zeit?
9
War heut ein Jahres-Tag der Schlachten,
10
Die unser Vaterland befreit?
11
Doch der Kalender in dem Herzen
12
Weiß nichts von Sieg und süßen Scherzen.

13
Ihr Sterne, nennet mir dies Zeichen,
14
Das heute über uns regiert?
15
Ich sah: ihr Alle müsset weichen,
16
Nun es den Himmelsrand berührt;
17
Des Vollmonds blühend rothe Wangen
18
Sind uns zum Vorbild aufgegangen.

19
Weil heut der Vollmond uns bescheinet,
20
So schenken wir die Gläser voll,
21
Wir wissen, was der Himmel meinet,
22
Warum er heut uns scheinen soll:
23
Wir sollen sehn, wie er sich füllte,
24
Seit er den Durst im Thaue stillte.

25
Aus vollen Flaschen werden Neigen
26
Und leere Menschen werden voll,
27
Es hängt der Himmel voller Geigen:
28
Weil heut ein Jeder tanzen soll;
29
Die Erde dreht sich schon im Kreise,
30
Die Pfropfen springen nach der Weise.

31
Auf Pfropfen steigen wir zum Monde
32
Der allen Wein der Erde reift,
33
Und machen gern mit ihm die Ronde,
34
Wenn queer er durch den Himmel schweift.
35
Heut ist im Mond die große Faßnacht,
36
Und alles Wein da, was hier naß macht.

37
Die große Noth in den Finanzen
38
Und der Verfassung Schwierigkeit,
39
Löst sich, nun wir die Welt im Ganzen
40
Beschaun, als eine Kleinigkeit;
41
Kommt Zeit, kommt Rath! im Wein ist Wahrheit
42
Und wer gespart, der zahlet baar heut.

43
Ein Glück, daß ich kein Gott geworden,
44
Denn ich vertränk' mein Bischen Welt,
45
Den diamantnen Sternen-Orden
46
Und auch das blaue Himmelszelt,
47
Dies Zelt, das mir so wohlgefallen,
48
Seit unsre Stimmen drin erschallen.

49
Ja, morgen würd' ich's recht bereuen:
50
Wenn über uns der Himmel leer;
51
Ich würd' ein neues Zelt mir leihen,
52
Und wenn es bei dem Teufel wär;
53
Ja Freunde, laßt uns das bedenken,
54
Eh wir vom Glauben was verschenken.

55
Am Himmel ist nichts überflüßig,
56
Und auf der Erde nichts zu viel,
57
Und wenn wir ihrer überdrüßig
58
Und wenn der Himmel uns zu kühl,
59
Steigt süßer Schlaf aus edlem Weine
60
Und hüllet in Träumen die Gemeine.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.