Wiederum zum hohen Fest

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Ludwig Achim von Arnim: Wiederum zum hohen Fest Titel entspricht 1. Vers(1806)

1
Wiederum zum hohen Fest
2
Klingt des Tisches Glocke,
3
Doch viel wenger sind der Gäst,
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Manchen hält das Grab schon fest
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In dem hölzern Rocke.

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Wer zum Feste kommen will
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Komm' im Freudenkleide,
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Schweig mein Herz von Todten still,
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Wenn ich meinen Becher füll
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Zu der Tafelweide.

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Zwingen läßt sich nicht das Herz,
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Nichts von ihm erzwingen,
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Gönnt ihm den geliebten Schmerz,
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Bis sich in des Lebens Scherz
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Lebende umschlingen.

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Unsern Todten dieser Wein,
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Den die Thräne weihte,
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Nun ich nicht mit mir allein,
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Ist auch die Versammlung klein,
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Rückt der Schmerz zur Weite.

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Weit und öde wird die Welt,
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Wenn so viele fallen,
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Nicht mehr fest zusammenhält,
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Was der leichte Scherz gesellt
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Freunden zum Gefallen.

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Fremde wurden wir uns nicht,
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Sahen uns doch selten,
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Wenn Gewohnheit heut gebricht,
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Guter Wein vertraulich spricht,
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Und das soll heut gelten.

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Nahe schien, was jetzt erreicht
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Uns beim vorgen Feste,
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Daß der Feind aus Deutschland weicht,
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Schien uns damals schon so leicht,
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Und vollbracht das Beste.

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Wer den Becher trinken soll,
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Muß ihn vorher füllen;
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Bis das Maaß des Guten voll,
39
Prüft die Zeit uns zweifeltoll,
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Wer von echtem Willen.

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Wer vor sich bestanden hat,
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Dem kann sie auch glauben,
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Sei erkannt die Ehrenthat,
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Auch vergebner Mühe Saat
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Läßt sich keiner rauben.

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Großes hat die Zeit gethan,
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Größres zu verlangen,
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Fühlet jedem auf den Zahn,
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Prüft, ob er auf steilrer Bahn
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Würde schwindelnd bangen.

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Glänzend zu uns nieder,
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Denn er gründete von fern,
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Als Magnet den Eisenkern,
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Gab dem Pfeil Gefieder.

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Während alle Deutsche schon
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Sich dem Joche beugten,
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Sahn wir noch auf seinen Thron,
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Sprachen allem Unglück Hohn,
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Muth in Hoffnung zeugten.

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Und an Preußens Hand sich hob
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Deutschland aus den Ketten,
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Das ist Friedrichs höchstes Lob,
63
Daß sein Kriegsgeist die erhob,
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Die ganz Deutschland retten.

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Keiner läßt von Frankreichs Wahn,
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Sich jetzt mehr bethören,
67
Daß auf künstlich neuer Bahn
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Große Völker steigen an,
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Wie in Springbrunns Röhren.

70
Wo ein Strom sich bilden soll,
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Muß er weit entstammen,
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Und der Quellen reicher Zoll,
73
Der aus stiller Flur entquoll
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Trifft von selbst zusammen.

75
Wie von selbst erfüllt sich auch,
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Wo umsonst wir sinnen,
77
Nicht durch listger Worte Hauch,
78
Durch der Menschen frommen Brauch
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Wächst ein Volk tief innen.

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Krieg zerstört den Eigensinn,
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Lehrt im Ganzen leben,
82
Dann durchdringt des Ganzen Sinn
83
Die Verfassung mit Gewinn,
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Wird Gesetze geben.

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Diese goldne künftge Zeit
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Laßt uns all erleben,
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Schwört es heut mit lustgem Eid,
88
Keiner soll aus Traurigkeit
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Sich dem Tod ergeben.

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Und so leb denn jeder hoch,
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Der den Tag verehrte,
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Unsre Krone lebe hoch
93
Unser Volk, – der König hoch,
94
Der es siegen lehrte.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Achim von Arnim
(17811831)

* 26.01.1781 in Berlin, † 21.01.1831 in Wiepersdorf

männlich, geb. Arnim

deutscher Schriftsteller und wichtiger Vertreter der Heidelberger Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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